HSG erkämpft nach Sechs-Tore-Rückstand Punkt gegen Coburg

HSG erkämpft nach Sechs-Tore-Rückstand Punkt gegen Coburg

Aufholjagd im Euregium: HSG erkämpft nach Sechs-Tore-Rückstand Punkt gegen Coburg

In einer von hoher Intensität und Dramatik geprägten Partie der 2. HBL haben sich die HSG Nordhorn-Lingen und der HSC 2000 Coburg vor 1.587 Zuschauern im Nordhorner Euregium mit einem 31:31-Unentschieden getrennt. Gegen ein physisch stark agierendes Coburg verpatzte die Mannschaft von Trainer Bult die Anfangsphase völlig und lag nach gut zwanzig Minuten bereits mit 8:14 zurück. Doch dank einer taktischen Umstellung auf eine extrem offensive Abwehr, eines fulminanten 4:0-Laufs kurz vor der Pause sowie großem Kampfgeist erkämpften sich die Rot-Weißen in der Schlussphase das verdiente Remis. Bester Werfer auf Seiten der HSG war Kreisläufer Wilhelm mit acht Treffern aus neun Versuchen, während auf oberfränkischer Seite die Rückraum-Shooter Savvas (7) und Lisac (8) herausragten. Der Spielbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.

Die Hausherren traten mit dem erwarteten Kader an, wenngleich Kapitän Marschall leicht verletzt draußen blieb und schließlich auch gar nicht zum Einsatz kommen sollte. Gentzel begann im linken Rückraum, van Berlo auf Rechtsaußen – doch die Gäste aus der Vestestadt erwischten den deutlich besseren Start. Obwohl Coburg auf den verletzten Rückraumakteur Weßeling verzichten musste, präsentierten sich die Schwarz-Gelben von Beginn an extrem zupackend und im Angriff abschlussstark. Bereits in der 4. Minute lag die HSG nach mehreren Fehlwürfen und Stürmerfouls mit 0:3 im Hintertreffen. Erst Wilhelm erlöste die Gastgeber in der 5. Minute mit dem ersten Treffer zum 1:3.

Im Positionsangriff tat sich Nordhorn-Lingen enorm schwer, gegen den massiven Coburger Innenblock Lücken zu finden. Selbst erste Zeitstrafen gegen den HSC brachten keine Wende, da Coburg im Rückzug extrem aufmerksam agierte. Und immer wieder stiegen die Gästerückraumspieler hoch und schweißten den Ball unhaltbar ins Netz. HSG-Keeper Ligarzewski bekam zunächst kaum eine Hand an den Ball, während sein Gegenüber Apfel mit Paraden glänzte. Als die Oberfranken in der 18. Minute erstmals auf vier Tore davonzogen (6:10), sah Bult Handlungsbedarf und bat zur ersten Auszeit. Seinem Team fehlten bis dahin spürbar die Leidenschaft und der nötige Zug zum Tor.

Bult wechselte Tschentscher ins Gehäuse und brachte Hoogland neben Erlingsson im Rückraum. Die Probleme im Angriffsspiel blieben jedoch bestehen: Nach 22 Minuten verzeichneten die Hausherren magere acht Treffer, während Coburg über den Kreis durch Bis und Röller wie nach Belieben nachlegte. Als Röller zum 8:14 traf, schien es, als wolle der HSC die Partie bereits vor dem Pausenpfiff entscheiden. Erst in den letzten Minuten vor dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt. Die HSG stellte auf eine sehr offensive Deckung um und erzwang damit Ballverluste. Durch Treffer von Wilhelm, Hoogland, Thiel und erneut Wilhelm Sekunden vor der Sirene schrumpfte der Rückstand durch einen furiosen 4:0-Lauf auf 13:15. Das Euregium war nun voll da und die HSG wieder im Spiel.

Die zweite Halbzeit begann direkt auf Augenhöhe. Erlingsson verkürzte umgehend auf 14:15, doch Coburg hielt vornehmlich mit Toren aus dem Rückraum dagegen. Aber in der 36. Minute war es dann schließlich so weit: Duvancic traf in Überzahl vom Kreis zum viel umjubelten 18:18-Ausgleich. Die Halle kochte nun endgültig. Nur eine Minute später nutzte Gentzel eine doppelte Überzahl und brachte die Rot-Weißen beim 19:18 (37.) erstmals in der gesamten Begegnung in Führung.

Wer nun dachte, das Spiel sei gekippt, sah sich getäuscht. Coburg zeigte sich extrem abgeklärt, nutzte postwendend zwei Ballverluste der Gastgeber und antwortete unbeeindruckt mit einem eigenen 4:0-Lauf zum 19:22 (40.). Die HSG musste erneut einem Rückstand hinterherlaufen. In dieser Phase hielt Ligarzewski seine Farben im Spiel, als er in der 44. Minute einen Siebenmeter parierte – bereits sein siebter gehaltener Strafwurf in dieser Saison. Dennoch: Coburg nutzte im Angriff nun konsequent den siebten Feldspieler und stellte durch Savvas in der 50. Minute wieder auf 24:28.

In den verbleibenden zehn Minuten entwickelte sich ein dramatischer Schlagabtausch. Lux verkürzte per Siebenmeter eiskalt auf 25:28, und die Gastgeber nutzten auch das leere Coburger Tor mehrfach aus: Wilhelm und Erlingsson trafen aus der eigenen Hälfte zum 26:29 bzw. 27:29. Fünf Minuten vor dem Ende verkürzte Ruddat per Tempogegenstoß auf 28:29. Die Schiedsrichterentscheidungen in dieser Hektik erhitzten die Gemüter, doch die HSG blieb kühlen Kopfes. Nach Bults letzter Auszeit zweieinhalb Minuten vor Schluss brachte Ruddat im Sieben-gegen-Sechs den Abpraller zum 30:30 über die Linie. Coburg legte noch einmal vor, doch eine halbe Minute vor dem Ende übernahm Gentzel – vor den Augen von Mutter Anna-Lena und Vater Peter, der HSG-Torwartlegende – Verantwortung. Der Schwede stieg hoch und setzte den Treffer zum 31:31-Endstand. Den letzten Angriffsversuch der Gäste verteidigte die HSG-Deckung gemeinsam weg.

Vor der anschließenden Pressekonferenz unterhielten sich die beiden Cheftrainer Mahmutefendic und Bult freundschaftlich in ihrer Heimatssprache (nebenbei: auch Hallensprecher Wolle Kösters stellte sein gutes Niederländisch unter Beweis). Dann folgte die Analyse der beiden Coaches. HSC-Coach Mahmutefendic zeigte sich zwiegespalten: Er sei ein bisschen „zerrissen“ und wisse nicht recht, ob er mit dem Punkt zufrieden sein solle. Sein Team habe überragend begonnen und lange die Kontrolle gehabt, bis Nordhorn mit seinen Umstellungen vor der Pause etwas Hektik erzeugt habe. Mit dem Sieben-gegen-Sechs habe seine Mannschaft die Partie wieder beruhigt. In der Crunchtime seien dann wieder Details entscheidend gewesen seien. Insgesamt zeigte er sich schlussendlich doch stolz: Seine Truppe habe 60 Minuten geackert und sich gegenseitig unterstützt. Zum Abschluss betonte er: „Es gibt nicht viele Mannschaften, die hier in Nordhorn Punkte holen werden.“

Bult sprach ebenfalls von gemischten Gefühlen, meinte schließlich aber, dass sein Team einen Punkt gewonnen habe. Mit den ersten 20 bis 22 Minuten zeigte er sich „überhaupt nicht zufrieden“. Die Wende sei durch die extrem offensive Deckung gelungen, die teilweise wie ein 3-gegen-3 oder eine Ganzfeld-Manndeckung funktioniert habe. In der zweiten Halbzeit habe sich sein Team endlich so präsentiert, „wie wir uns das vorgenommen haben“, woraufhin der Funke auch auf die Ränge übergesprungen sei. Aber er mahnte deutlich an, dass seine Mannschaft es sich nicht erlauben könne, ins Spiel zu gehen, ohne von Beginn an voll da zu sein. Die Performance seiner Jungs beurteilte er auf der anderen Seite aber auch positiv: Denn das Training unter der Woche fand unter erschwerten Bedingungen statt, weil mehrere Spieler krank oder angeschlagen waren. Marschall konnte wegen seiner Verletzung gar nicht mitwirken, und Wilhelm stand vor der Partie ohne eine einzige Trainingseinheit auf dem Feld und lieferte über 60 Minuten ab. Bult schloss mit den besten Wünschen für Coburgs anstehendes Pokalspiel gegen Göppingen.

Nach dem Spiel war die Kellerbar wie angekündigt geöffnet und entwickelte sich rasch zum bestens besuchten Anlaufpunkt. Bei guter Stimmung ließen die Fans den Abend gemeinsam ausklingen – und auch eine Stunde nach der Schlusssirene war es dort noch immer richtig voll. Ein rundum gelungener Nachklapp, der definitiv Lust darauf macht, die Kellerbar künftig wieder öfter zu öffnen.

Nach der kräftezehrenden Aufholjagd vom Freitagabend steht für die HSG Nordhorn-Lingen nun eine kurze Pause an. Die nächste Aufgabe wartet am 5. Spieltag: Am Mittwoch, den 30. September, tritt die Bult-Sieben um 19:30 Uhr auswärts bei den Eulen Ludwigshafen an. Die Pfälzer sind mit 2:4 Punkten in die Spielzeit gestartet und bestreiten am Samstagabend noch ihr Auswärtsspiel in Potsdam, ehe das Duell mit den Rot-Weißen ansteht. Lange gedulden müssen sich die HSG-Fans bis zur Rückkehr ins Euregium allerdings auch nicht: Bereits am Tag der Deutschen Einheit, Samstag, den 3. Oktober, empfängt die HSG Nordhorn-Lingen um 19:30 Uhr den VfL Eintracht Hagen zum nächsten Heimspiel vor eigener Kulisse.

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