Am 9. Spieltag der 2. HBL steht für die HSG Nordhorn-Lingen eine hohe Hürde auf dem Programm: Am Freitagabend um 19:30 Uhr tritt das Team von Cheftrainer Mark Bult beim Tabellenfünften, dem 1. VfL Potsdam, in der MBS Arena an.
Blick nach vorn nach schwachem Ferndorf-Spiel
Die Zwischenbilanz der Rot-Weißen sieht längst nicht mehr so komfortabel aus wie noch vor drei Wochen. Aus den letzten drei Partien holte die HSG lediglich einen Zähler. Besonders die jüngste Heimpleite gegen den TuS Ferndorf hinterließ Spuren: Über 60 Minuten zeigte das Team eine seiner schwächsten Saisonleistungen. Trainer Mark Bult zeigte sich im Anschluss enttäuscht und verärgert – vor allem darüber, dass sich seine Mannschaft nicht an den ausgegebenen Matchplan hielt und die richtige Einstellung vermissen ließ. Neben zu vielen vergebenen Chancen im Angriff fand auch die Abwehr nicht zu ihrer gewohnten Stabilität.
Zusätzlich erschwert wurde die Lage dadurch, dass Kreisläufer und Co-Kapitän Christian Wilhelm unter der Woche wegen einer Fußverletzung kaum hatte trainieren können. Er stellte sich gegen Ferndorf zwar in den Dienst der Mannschaft, konnte jedoch nicht beschwerdefrei agieren. Für die Partie in Potsdam ist sein Einsatz fraglich. Dabei zeigt seine Bilanz, wie wertvoll er für das HSG-Spiel ist: Seine Performance in der Defensive ist regelmäßig über jeden Zweifel erhaben, und 33 Kreisläufertore bedeuten ligaweit aktuell Platz 2 auf dieser Position.
In Potsdam hängen die Trauben für jede Mannschaft der Liga hoch. Für die HSG ist die Partie zudem der Auftakt in eine anspruchsvolle Phase, in der fast alle Duelle gegen die Topmannschaften der Liga noch bevorstehen. Hinzu kommt die Historie: Die letzten vier Begegnungen gegen die Potsdamer verlor die HSG allesamt. Der letzte Sieg datiert aus dem Mai 2023, als Johannes Wasielewski Matchwinner für die Rot-Weißen war.
Der Gegner: Die „Adler“ aus Potsdam
Das Team von Trainer Emir Kurtagic zählt nach der Meisterschaft 2024 und dem anschließenden Jahr im Oberhaus weiterhin zur absoluten Ligaspitze (Platz 4 in der Vorsaison). Die Potsdamer starteten mit sechs Siegen furios in die Saison, mussten zuletzt aber zwei knappe Auswärtsniederlagen bei den Topteams in Hagen (-5) und Schwartau (-1) hinnehmen. Die Heimbilanz in der MBS Arena ist mit Siegen gegen Hüttenberg, die Eulen und Ferndorf jedoch weiterhin makellos.
Auch im DHB-Pokal sind die Adler noch vertreten und treffen hier bald auf den Kooperationspartner Füchse Berlin. Apropos: Die Potsdamer Kaderstruktur trägt auch die Handschrift von Bob Hanning – Geschäftsführer der Füchse sowie in Personalunion auch italienischer Nationaltrainer: Drei Italiener stehen im Aufgebot, und fast der komplette Kader ist jünger als 25 Jahre. Die Fäden im Spiel der Potsdamer zieht der österreichische Nationalspieler Markus Mahr (43/13 Tore). Noch torgefährlicher agiert Linksaußen Marvin Siemer, der mit 57/30 Treffern aktuell Rang 3 der Ligatorschützenliste belegt und vor drei Wochen gegen Ferndorf mit zehn von zehn verwandelten Siebenmetern sowie einem perfekten HPI-Wert von 100 herausragte. Zudem finden Mahr, sein Landsmann Nicolas Paulnsteiner und Florian Budde (bester Potsdamer Feldtorschütze) immer wieder Kreisläufer Tim Schröder. Anders als im Vorjahr präsentiert sich zudem die Potsdamer Deckung vor den Keepern Grundmann und Höhler derzeit als zweitbeste Abwehr der Liga.
Statistische Highlights im Überblick
- Bester Torschütze der Liga: HSG-Rückraumspieler Tarek Marschall führt die Liga mit 47 Treffern aktuell als bester Feldtorschütze an.
- Siebenmeter: Potsdam erzielt ligaweit die meisten 7-Meter-Tore. Aber auch auf HSG-Seite gehört Maximilian Lux mit 23 Toren bei einer starken Quote von 82 % zu den Top-Werfern vom Strich.
- Disziplin & Ballbesitz: Potsdam leistet sich ligaweit sehr wenige technische Fehler (65 vs. HSG: 93), kassiert dafür aber verhältnismäßig viele Zeitstrafen (32 vs. HSG: 23).
Stimmen zum Spiel: Elias Ruddat
Auch HSG-Linksaußen Elias Ruddat kennt die Stärke der Brandenburger bestens: Mit seinem ehemaligen Verein TuS Vinnhorst trat er bereits zweimal gegen Potsdam an – beide Duelle gingen damals an den späteren Zweitligameister. Blickt man auf die jüngste Niederlage gegen Ferndorf zurück, redet Ruddat nicht um den heißen Brei herum: „Gegen Ferndorf war tatsächlich irgendwie alles schlecht. In allen Bereichen haben wir nicht so abgeliefert, wie wir wollten, und stattdessen Ferndorf machen lassen.“
Umso geschlossener fordert der Linksaußen nun eine deutliche Reaktion der Mannschaft: „Natürlich fahren wir nach Potsdam, um dort zu gewinnen. Wir fokussieren uns und bereiten uns gut vor, um eine viel bessere Leistung als zuletzt abzuliefern. Gerade bezüglich Emotionalität, Bereitschaft und Kampf wollen wir an das Derby in Emsdetten anknüpfen.“
Auch von der Negativserie gegen die Adler lässt sich der HSG-Akteur keinesfalls entmutigen: „Wir wissen, dass wir zuletzt viermal gegen Potsdam verloren haben, aber es ist keineswegs so, dass sie uns nicht liegen. In der letzten Saison hätten wir das Heimspiel gewinnen müssen, wohingegen das Rückspiel in Potsdam zugegebenermaßen eine Vollkatastrophe war. Wir wollen unseren Frust nutzen, ihn ins Positive umwandeln und eine Reaktion zeigen. Und wir wissen, dass wir mit einer sehr guten Leistung in Potsdam die Punkte holen können.“
Die HSG tritt die rund 470 Kilometer lange Reise in die brandenburgische Landeshauptstadt am Spieltag selbst an. Ein großes Dankeschön gilt schon jetzt allen HSG-Fans, die das Team vor Ort unterstützen! Für alle Daheimgebliebenen überträgt der Streamingdienst Dyn die Partie wie gewohnt live. Die Übertragung beginnt um 19:15 Uhr.







