Standing Ovations: HSG feiert 39:27 gegen Dessau

Standing Ovations: HSG feiert 39:27 gegen Dessau

Nach vier sieglosen Spielen hat die HSG Nordhorn-Lingen eindrucksvoll in die Erfolgsspur zurückgefunden. Vor 1.701 Zuschauern im Euregium feierten die Rot-Weißen gegen den Dessau-Roßlauer HV einen fulminanten 39:27-Heimsieg (17:14). Von Beginn an präsentierte sich das Team von Mark Bult kämpferisch und spielerisch ausgezeichnet und spielte sich in der Schlussphase regelrecht in einen Rausch. Es war der höchste Saisonsieg der HSG, die ihr Punktekonto damit wieder ausglich (10:10). Lang anhaltende Standing Ovations waren der verdiente Lohn für eine hervorragende Mannschaftsleistung. Der Spielbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.

Bult begeistert von der Gesamtleistung

„Ein fantastisches Spiel von der ersten bis zur letzten Minute“, lautete das Fazit von HSG-Cheftrainer Mark Bult in der Pressekonferenz. Bereits in der Trainingswoche habe er gespürt, wie fokussiert und konzentriert seine Mannschaft auf die Partie hingearbeitet habe. Auf dem Spielfeld habe das Team den Matchplan konsequent umgesetzt. Die Performance sei „super“ gewesen, und zwar „in allen Bereichen“. Besonders hob Bult Spielmacher Erlingsson hervor, der die Angriffe hervorragend geleitet und die Dessauer Abwehr immer wieder vor neue Aufgaben gestellt habe. Auch von der Abwehrarbeit zeigte sich der Niederländer begeistert. Die Mannschaft habe sich vorgenommen, zu verteidigen und zu kämpfen, „egal ob es auch mal eine Zeitstrafe kostet“.

Dessaus Trainer Vanja Radić gratulierte der HSG zu einem verdienten Sieg und verwies auf die deutlich höhere Aggressivität der Gastgeber. Auch die Zeitstrafen unterstrichen dies: Während die HSG insgesamt sechs hinnehmen musste, wurde gegen Dessau lediglich eine verhängt. Seine Mannschaft sei an diesem Abend „nur dabei gewesen und habe mitgespielt“. Die Emotionalität aus dem erfolgreichen Leipzig-Spiel der Vorwoche habe diesmal gefehlt. Zudem habe Dessau die Möglichkeiten im Überzahlspiel nicht konsequent genutzt.

HSG startet mit viel Energie

Für eine positive Überraschung sorgte vor Anpfiff die Aufstellung der Gäste: Kapitän Nowak, der wurfgewaltige Rückraumspieler, stand nach seiner Verletzung aus dem Leipzig-Spiel nicht nur im Kader, sondern sogar in der Anfangsformation. Die HSG trat mit dem erwarteten Aufgebot an. Unter den 1.701 Zuschauern befand sich auch ein gutes Dutzend treuer Dessauer Fans, die ihre Mannschaft unterstützten.

Hüter eröffnete den Torreigen, Marschall erhöhte per Tempogegenstoß und Lux verwandelte den ersten Siebenmeter. Nachdem Ligarzewski im HSG-Tor pariert hatte, legte Lux zum 4:1 nach. Ein Auftakt, der sich deutlich von den vergangenen Partien unterschied! Ruddat stellte wenig später auf 5:2. Vor allem die Defensive der Gastgeber präsentierte sich von Beginn an äußerst griffig. Die Stoppfouls saßen, der Rückzug funktionierte und die blau-weißen Biber fanden kaum Gelegenheit, ihr gefürchtetes Tempospiel aufzuziehen. Immer wieder mussten die Gäste aus wenig aussichtsreichen Positionen abschließen. Kapitän Marschall setzte sich mehrfach kraftvoll durch und erhöhte mit einem erfolgreichen Nachwurf sogar auf 9:4. Bereits in der elften Minute sah sich Gästetrainer Radić zur ersten Auszeit gezwungen.

Dessau kommt zwischenzeitlich heran

Das Time-Out zeigte Wirkung. Die Gäste verkürzten innerhalb weniger Minuten auf 9:6. Zudem musste Duvancic innerhalb weniger Minuten gleich zweimal auf die Strafbank. Auch Torhüter Patzwaldt kam bei den Gästen immer besser ins Spiel. Nach einem 5:1-Lauf war Dessau beim 10:9 wieder dicht dran. Doch Bult reagierte mit personellen Veränderungen und die HSG fand anschließend wieder besser in die Partie.

Gentzel traf aus dem Rückraum, Marschall gelang in Unterzahl das 14:10. Ligarzewski parierte mehrfach stark und gab seinem Team die Gelegenheit, den Vorsprung weiter auszubauen. Wilhelm vom Kreis und Gentzel sorgten für weitere Treffer, ehe der HSG-Kreisläufer und Co-Kapitän nach einem Tempogegenstoß auf 17:12 erhöhte. Allerdings ließen die Gastgeber in den letzten Sekunden noch zwei Gegentreffer zu. Ärgerlich war der letzte Treffer von Danneberg, der praktisch mit der Schlusssirene aus rund zehn Metern zum 17:14-Pausenstand traf. Immerhin: Die Zahl der technischen Fehler war mit lediglich drei zur Halbzeit deutlich geringer als in den vergangenen Begegnungen (am Ende acht).

Wilhelm und Ruddat bleiben treffsicher

Danneberg blieb nach dem Seitenwechsel zunächst der auffälligste Dessauer und verkürzte auf 17:15. Auf der anderen Seite entwickelte sich auch zwischen den beiden Torhütern ein interessantes Duell. Patzwaldt und Ligarzewski zeichneten sich immer wieder mit starken Paraden aus. Die HSG hatte jedoch die passende Antwort auf den Aufholversuch des DRHV: Ruddat und insbesondere Wilhelm, der am gegnerischen Kreis eine makellose Vorstellung bot, hielten die Gastgeber auf Distanz. Immer wieder fand Erlingsson seine Mitspieler mit klugen Anspielen. Marschall erhöhte mit seinem siebten Treffer auf 22:18, Wilhelm und Ruddat bauten den Vorsprung anschließend erstmals auf sechs Tore aus (24:18, 40.).

Auch eine weitere Auszeit von Radić brachte die HSG nicht mehr aus dem Rhythmus. Der junge Hadzimuhamedovic übernahm aufseiten der Gäste zwar zunehmend Verantwortung und hielt Dessau mit seinen Rückraumtreffern noch im Spiel. Doch Wilhelm antwortete immer wieder vom Kreis. Auch Lux blieb vom Siebenmeterstrich eine Bank: Beim 28:22 hatte er bereits alle fünf Strafwürfe verwandelt.

Schlussphase wird zur HSG-Party

Ruddat vollendete einen Tempogegenstoß zum 29:22 (49.), woraufhin Radić seine letzte Auszeit nahm. Die Gäste stellten nun auf eine sehr offensive Deckung um, doch die HSG fand dagegen erst recht die richtigen Lösungen. Ruddat traf erneut, Erlingsson erhöhte auf 31:24. Dessau versuchte es schließlich auch offensiv mit dem siebten Feldspieler. Doch Ligarzewski war weiterhin kaum zu überwinden und parierte einen Ball nach dem anderen.

In der Schlussphase nutzten die Rot-Weißen die sich bietenden Räume konsequent. Der niederländische Nationalspieler van Berlo traf zunächst zum 33:26 und legte im Tempogegenstoß gleich das nächste Tor nach. Wilhelm und Marschall erhöhten ins verwaiste Dessauer Gehäuse. Der HSG-Kapitän, der an diesem Abend einmal mehr kaum zu bremsen war, erzielte schließlich seinen zehnten Treffer. Damit traf Marschall bereits zum zweiten Mal in dieser Saison zweistellig. Mit nunmehr 60 Feldtoren führt er die Rangliste der erfolgreichsten Feldtorschützen der 2. HBL weiter an.

Ligarzewski stand inzwischen bei 14 Paraden und legte noch eine weitere nach. Erlingsson traf zum 38:27, ehe Wilhelm mit seinem neunten Treffer aus neun Versuchen den Schlusspunkt setzte: 39:27! In der Halle hielt es längst niemanden mehr auf den Sitzen. Die Zuschauer standen und feierten ihre Mannschaft mit lang anhaltenden Standing Ovations. Was war das wieder für ein Handballfest im Euregium!

Länderspielpause vor anspruchsvollen Aufgaben

Für Mark Bult geht es nun zunächst zur niederländischen Nationalmannschaft. Mit zwei Länderspielen gegen Finnland und in Litauen wartet auf den Bondscoach eine spannende Herausforderung. „Gut, dass wir gewonnen haben, der Sieg hilft, um mit guter Stimmung zur Nationalmannschaft zu fahren“, sagte Bult in der Pressekonferenz auf Nachfrage mit einem Schmunzeln. Zugleich betonte er nochmals, welch große Ehre es für ihn sei, die niederländische Auswahl betreuen zu dürfen. Während seiner Abwesenheit übernimmt Co-Trainer Frank Schumann wieder das Training der HSG. Mindestens fünf Tage vor dem nächsten Ligaspiel wird Bult zum Team zurückkehren.

Nach der zweiwöchigen Länderspielpause geht es für die Rot-Weißen am Sonntag, den 15. November, um 17 Uhr beim TV Großwallstadt weiter. Der Traditionsverein musste am Samstagabend eine knappe Niederlage gegen Potsdam hinnehmen und steht mit 9:11 Punkten im Tabellenmittelfeld. Am 20. November wartet mit dem Bundesliga-Absteiger GWD Minden noch eine schwere Auswärtsaufgabe. Das nächste Heimspiel steht am Freitag, den 27. November, auf dem Programm. Dann gibt mit dem VfL Lübeck-Schwartau ein weiteres Topteam seine Visitenkarte im Euregium ab.

 

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