Crunchtime bringt die Entscheidung: HSG verliert in Hüttenberg trotz langer Führung
Die HSG Nordhorn-Lingen hat am dritten Spieltag der zweiten Handball-Bundesliga die erste Saisonniederlage kassieren müssen. Beim traditionell heimstarken TV Hüttenberg in Mittelhessen unterlag die Mannschaft von Trainer Mark Bult vor lautstarken 1.090 Handballfans im Sportzentrum mit 28:31 (13:12). Über mehr als 50 Minuten hatten die Rot-Weißen das Geschehen auf der Platte weitgehend im Griff und führten, ehe den Gastgebern in der Schlussphase mit einem Vier-Tore-Lauf die Wende gelang. Trotz eines herausragenden Torhüters Kacper Ligarzewski, der 21 Paraden verbuchte und eine Haltequote von 45 Prozent erreichte (HPI: 100), belohnte sich die HSG nicht für einen über weite Strecken starken Auftritt. Der Nachbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.
Dabei war der Beginn der Partie von Hektik und einer beidseitig hohen Fehlerquote geprägt. In den ersten sieben Angriffen gelang keiner Mannschaft ein Torerfolg, was auch an den stark startenden Schlussmännern lag. Ruddat erzielte in der fünften Minute schließlich den ersten Treffer für die HSG zum 1:1-Ausgleich. Weil die Nordhorner in der Folge jedoch freie Chancen liegen ließen, zogen die Hausherren bis zur neunten Minute auf 4:1 davon. Die eigene 6:0-Abwehr und der Rückzug funktionierten zwar sehr solide, doch im Angriffsspiel hakte es noch gewaltig. Bult reagierte früh und bat nach elf Minuten beim Stand von 2:5 zur Auszeit. Vor seinen taktischen Vorgaben bemängelte der Coach vor allem die mangelnde Chancenauswertung.
Die Ansage zeigte unmittelbare Wirkung: Die HSG stellte im Angriff auf Sieben-gegen-Sechs um und brachte Duvancic als zweiten Kreisläufer. Der 24-Jährige verkürzte auf 5:4, ehe Lux per Siebenmeter ausglich und Ruddat die Gäste mit 5:6 erstmals in Führung warf. Nun nahm TVH-Coach Kneer eine Auszeit. Doch Nordhorn-Lingen blieb am Drücker. Die Abwehr glich einem Bollwerk, hinter dem Ligarzewski schier unüberwindbar schien. Der Pole stand nach einem Drittel der Spielzeit bei einer Fangquote von über 50 Prozent. In der 20. Minute erhöhte der treffsichere Ruddat auf 6:9. Seit dem 5:2-Rückstand hatten die Grafschafter ein beeindruckendes 8:1 hingelegt. Das lag auch an der gestiegenen Effizienz im Positionsangriff, in dem Mittelmann Erlingsson klug Regie führte.
Allerdings verpassten es die Gäste, sich noch weiter abzusetzen. Hüttenberg nutzte in dieser Phase das Risiko des gegnerischen Sieben-gegen-Sechs und kam durch zwei Tore ins leere Gehäuse wieder auf 10:11 heran. Gentzel, der nun gemeinsam mit Wilhelm den Innenblock bildete, erhöhte auf 10:12. Eine Überzahl nach einer Zeitstrafe gegen den Schweden nutzten die Mittelhessen kurz vor der Pause jedoch aus. Mit einer knappen 12:13-Führung für die HSG ging es in die Kabinen.
Auch im zweiten Durchgang blieb die Begegnung intensiv und hart umkämpft. Gentzel agierte weiter im linken Rückraum, van Berlo besetzte die Rechtsaußen-Position. Die Sieben-gegen-Sechs-Taktik funktionierte offensiv weiterhin verlässlich, forderte defensiv jedoch ihren Preis: Bereits den dritten Gegentreffer ins verwaiste Tor fing sich die HSG zum 13:14 ein. Lux stellte kurz darauf per Siebenmeter auf 13:15. Weil auch Hüter aus dem rechten Rückraum zum 14:16 traf, hielt Nordhorn-Lingen seinen Vorsprung. Dennoch blieb Hüttenberg dank weiterer Treffer ins leere Netz auf Tuchfühlung (17:19, 37. Minute und 18:20, 39. Minute). Insgesamt fünf der ersten 18 Gegentore kassierten die Grafschafter ohne Torhüter im Kasten.
Nach vierzig Minuten wurde die Atmosphäre in der Halle spürbar emotionaler. Beim Stand von 19:21 beschwerte sich TVH-Keeper Shamir über einen vermeintlichen Kopftreffer von Gentzel. Die Schiedsrichterinnen mussten die Gemüter beruhigen, gaben nach einer Zeitstrafe gegen Duvancic aber wenig später auch Bult Anlass zu Entsetzen: Eine weitere Zwei-Minuten-Strafe gegen Wilhelm wegen angeblich absichtlichen Fußspiels bedeutete vier Minuten durchgehende Unterzahl für die HSG. In dieser kritischen Phase hielt der überragende Ligarzewski sein Team mit Bravour in Führung.
Zehn Minuten vor dem Ende stellte van Berlo auf 24:22. Doch die Gastgeber gaben sich nicht geschlagen und verkürzten in der 52. Minute erneut. Acht Minuten vor dem Abpfiff vergab die HSG eine mögliche Drei-Tore-Führung – im Gegenzug fiel der Ausgleich zum 25:25 ins leere HSG-Tor. Zum ersten Mal seit der Anfangsphase stand die Partie wieder remis. Erlingsson verwandelte anschließend einen Siebenmeter zum 26:25, ehe Kneer sechs Minuten vor dem Ende zur Auszeit bat.
Im Anschluss kippte das Spiel. Hüttenberg glich per Siebenmeter aus, nutzte die nächste Chance zur eigenen Führung und sorgte mit einem 4:0-Lauf für die Vorentscheidung zum 29:26. Die Mittelhessen hatten ihren Peak auf den perfekten Zeitpunkt gelegt. Den Abschnitt der letzten zehn Spielminuten entschied der TVH mit 9:4 für sich und feierte am Ende einen 31:28-Heimsieg.
Beste Torschützen auf Seiten der HSG Nordhorn-Lingen waren Gentzel mit sechs sowie Ruddat mit fünf Treffern. Für die Gastgeber waren Rechtsaußen Rüdiger und der rechte Rückraumspieler Dyatlov je fünfmal erfolgreich.
„Wir haben über 50 Minuten ein sehr gutes Handballspiel gezeigt, aber am Ende unterliefen uns leider ein paar technische Fehler zu viel. Hüttenberg hatte in dieser entscheidenden Phase einfach das glücklichere Händchen“, analysierte Elias Ruddat nach der Partie sachlich im Field-Interview. Ein einmal mehr riesiges Dankeschön geht an das gute Dutzend treuer HSG-Fans, die die Mannschaft im Sportzentrum unterstützen.
Lange Zeit, Trübsal zu blasen, bleibt den Rot-Weißen nicht, denn bereits am kommenden Freitag, den 18. September, steht die nächste Aufgabe auf dem Programm. Am vierten Spieltag der 2. HBL empfängt die HSG Nordhorn-Lingen den HSC 2000 Coburg. Anpfiff im Nordhorner Euregium ist um 19 Uhr. Die Oberfranken sind mit zwei Niederlagen in die neue Saison gestartet und bestreiten ihr Drittrunden-Spiel gegen den TuS Ferndorf am späteren Samstagabend. Die Bult-Sieben brennt darauf, vor heimischem Publikum wieder zwei Zähler einzufahren und den Weg in der Tabelle weiter positiv zu gestalten. Ein Zusatzschmankerl für alle Fans: Nach dem Abpfiff gegen Coburg ist die beliebte Kellerbar im Euregium wieder geöffnet, um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.





