HSG dreht Sechs-Tore-Rückstand und siegt bei den Eulen

HSG dreht Sechs-Tore-Rückstand und siegt bei den Eulen

Die HSG Nordhorn-Lingen hat im Auswärtsspiel am Mittwochabend bei den Eulen Ludwigshafen dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit zwei wichtige Punkte eingefahren. Nach einer schwachen ersten Hälfte, an deren Ende die Hausherren kurzzeitig mit sechs Toren führten (18:12; 29.), drehten die Gäste die Partie nach dem Seitenwechsel komplett. Ähnlich wie vor zwölf Tagen beim Unentschieden gegen Coburg erfand sich das Team von Cheftrainer Mark Bult nach der Pause neu und belohnte sich dieses Mal sogar mit einem am Ende verdienten Auswärtserfolg: 29:33 (14:18). Ein stark verbessertes Abwehrverhalten sowie das im zweiten Durchgang gut funktionierende Angriffsspiel im Sieben-gegen-Sechs ebneten den Weg für den Erfolg in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle. Durch diesen doppelten Punktgewinn weist die HSG nun 7:3 Punkte auf und hat den von der HBL auferlegten Sechs-Punkte-Abzug bereits am fünften Spieltag mehr als wettgemacht. Der Spielbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.

Cheftrainer Mark Bult schickte mit Ligarzewski, Wilhelm, Duvancic, Ruddat, Lux, Hüter und Gentzel seine Startformation auf die Platte, während Spielmacher Erlingsson in der Offensive für Duvancic übernahm. Bei den Gastgebern hatte sich vor der Partie das Lazarett gelichtet, und die Eulen erwischten vor 1.365 Zuschauern auch den deutlich besseren Start. Den Führungstreffer von Rückraum-Shooter Schmitt glich Erlingsson noch per Schlagwurf zum 1:1 aus, doch bereits in der 3. Minute handelte sich Duvancic die erste Zeitstrafe ein. Die Pfälzer nutzten die Überzahl prompt und zogen nach einem Ballverlust der HSG ins leere Tor auf 3:1 davon. Über den treffsicheren Schmitt aus dem Rückraum sowie Kreisanspiele erarbeiteten sich die Hausherren rasch einen 5:2-Vorsprung (7.).

Die HSG versuchte dagegenzuhalten: Lux verkürzte nach feinem Zuspiel von Erlingsson von Rechtsaußen auf 5:3 und legte nach gutem Tempospiel zum 6:4 nach. Dennoch fand die Abwehr der Rot-Weißen zunächst überhaupt keinen Zugriff. Ludwigshafens Regisseur Eisel dirigierte das Spiel gekonnt, und Leun sowie Schmitt erhöhten aus dem Rückraum ohne viel Gegenwehr auf 8:4 bzw. 9:5. In dieser Phase leisteten sich die Gäste zudem im Angriff zu viele Fehlwürfe gegen Eulen-Keeper Boieck und einfache Ballverluste. Dass der Rückstand zunächst nicht noch höher ausfiel, lag vor allem an HSG-Schlussmann Ligarzewski. Lux verkürzte per Siebenmeter auf 9:6, doch Ludwigshafen marschierte weiter und setzte sich auf 11:6 ab (18.).

Nachdem Erlingsson den Ball stark auf Duvancic am Kreis durchgesteckt hatte (11:7) und der eingewechselte Marschall seinen ersten Treffer markierte (11:8), antworteten die Eulen postwendend. Bei 22 gespielten Minuten und einem 13:8-Rückstand zog Mark Bult die Notbremse und nahm die Auszeit. Der HSG-Coach wurde laut und forderte unmissverständlich mehr Konsequenz und „Galligkeit“ in der Deckung. Kein Zugriff, kein Kontakt, fehlende Stop-Fouls – das Abwehrverhalten seiner Jungs passte dem Übungsleiter überhaupt nicht.

Doch auch nach der Auszeit änderte sich vorerst wenig. Die Rückraumspieler der Pfälzer hatten zu viele Freiheiten. Eisel erhöhte auf 14:9, ehe Lux per Siebenmeter und Gegenstoß auf 14:11 verkürzte. Ludwigshafen schaltete nun zeitweise in den Sieben-gegen-Sechs-Angriff. Der wieder genesene Bülow führte sich direkt mit einem Treffer zum 16:11 ein. Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff schraubten die Eulen das Ergebnis gar auf 18:12 hoch. Beeindruckend aus Sicht der Hausherren, die beim letzten Auftritt in Potsdam im gesamten Spiel nur 19 Treffer erzielt hatten. In der Schlussphase der ersten Hälfte geriet die HSG dann erstmals in Überzahl: Marschall nutzte die Gelegenheit doppelt – einmal aus dem Feld und einmal ins verwaiste Tor der Eulen – und betrieb mit dem 18:14-Halbzeitstand wichtige Ergebniskosmetik.

Direkt nach dem Wiederanpfiff verkürzte Marschall noch in Überzahl auf 18:15. Ludwigshafen konterte im Rückraum durch Schmitt und Leun, aber die Nordhorner blieben nun hartnäckig dran. Erlingsson und Co. hielten das Tempo hoch, und nach einem erneuten Treffer von Marschall war die HSG in der 36. Minute wieder auf 21:19 herangerückt. Wenn die Gäste ihr Tempospiel aufzogen, stellten sie die gegnerische Abwehr vor große Probleme.

Auch eine zweite Zeitstrafe gegen Duvancic warf das Bult-Team nicht mehr aus der Bahn. Ludwigshafens Kreisläufer Bösing traf zwar in Überzahl zum 22:19, doch die HSG stellte nun ihrerseits im Angriff auf Sieben gegen Sechs um. Und die Abwehr war nun deutlich aktiver als vor der Pause, der Kontakt und die Beinarbeit stimmten und der Zugriff im Zentrum war da. Abwehrchef Wilhelm traf zudem zweimal hintereinander ins leere Tor Gastgeber, sodass beim 23:22 (42.) der Anschluss hergestellt war.

Nach einem Stürmerfoul der Pfälzer ließ die HSG zwar zunächst noch eine Chance liegen, doch Erlingsson erzwang in der 45. Minute den nächsten Siebenmeter. Lux blieb eiskalt und glich zum 23:23 aus. Nachdem Ligarzewski erneut glänzend pariert hatte, schaltete die HSG blitzschnell um: Ruddat vollendete zwei Tempogegenstöße in Folge zur 23:25-Führung (48.). Die Partie war komplett gedreht, während den Eulen in dieser Phase fast gar nichts mehr gelang.

Bult nutzte in der 49. Minute seine nächste Auszeit – diesmal ruhig und fokussiert, um die entscheidenden taktischen Anweisungen für die Schlussphase zu geben. Da Ludwigshafen nun offensiver deckte, entstanden Räume am Kreis. Wilhelm und Lux schraubten den Vorsprung auf 23:27 hoch. Damit hatte die HSG sechs Tore in Folge erzielt und einen bemerkenswerten 8:1-Lauf seit dem 22:19 hingelegt. In der Friedrich-Ebert-Halle war es deutlich ruhiger geworden.

Erlingsson antwortete auf Schmitts Treffer postwendend mit dem 24:28. Die Deckung der HSG gab sich nun keine Blöße mehr, fing Bälle ab und erzwang Fehler. Ruddat erhöhte in der 54. Minute erstmals auf plus fünf (24:29). Zwar verkürzten die Eulen noch einmal auf drei Tore, doch ein spektakulärer Kempa-Trick von Lux auf Erlingsson zum 26:30 setzte ein weiteres Glanzlicht.

In den Schlussminuten behielt die HSG die Nerven. Marschall stellte auf 27:31. Zwar verkürzte Bülow gut zwei Minuten vor dem Ende noch einmal durch den einzigen Empty-Net-Treffer der Eulen auf 29:31, doch Duvancic antwortete postwendend mit dem 29:32. Als Ligarzewski im Anschluss seinen insgesamt 8. Siebenmeter in der laufenden Saison entschärfte, war die Entscheidung gefallen. Den Schlusspunkt zum 29:33-Endstand setzte Hüter, ehe der verdiente Jubel im HSG-Lager ausbrach.

Bester Werfer der HSG Nordhorn-Lingen war der starke Maximilian Lux mit neun Toren (davon fünf Siebenmeter), gefolgt von Marschall (6) und Wilhelm (5). Im Gehäuse zeigte Ligarzewski eine gute Partie: Nach seinen 12 Paraden nimmt er nun die Spitzenposition im Torhüter-Ranking der 2. Bundesliga ein (64). Bei den Eulen trafen Schmitt und Eisel (je 6) sowie Leun (5) am häufigsten.

Ein großer Dank gilt dem knapp Dutzend mitgereisten HSG-Fans, die ihr Team lautstark unterstützten. Lange Zeit zum Durchatmen bleibt der Mannschaft nicht: Bereits am kommenden Samstag, den 3. Oktober, steht das nächste Heimspiel an. Um 19:30 Uhr empfängt die HSG Nordhorn-Lingen den Tabellendritten Eintracht Hagen im Nordhorner Euregium. Tickets für das Spiel gibt es hier.

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