Die HSG Nordhorn-Lingen hat am 6. Spieltag der 2. HBL eine schmerzhafte Heimniederlage hinnehmen müssen. Gegen die so ambitionierte Eintracht aus Hagen unterlag das Team von Mark Bult vor 1.716 Zuschauern am Samstagabend im Euregium mit 32:37 (16:17). Nach einer verpatzten Anfangsphase mit vier frühen Gegentoren ins leere Tor kämpfte sich die HSG im ersten Durchgang zurück und erzwang den Ausgleich, verpasste danach jedoch in entscheidenden Phasen den eigenen Führungstreffer. Im zweiten Spielabschnitt nutzte die gewieft agierende Eintracht die Nordhorner Ballverluste eiskalt aus und zog in der Schlussphase entscheidend davon. Mann des Tages auf Seiten der Westfalen war Schlussmann Bochmann, der mit 17 Paraden einmal mehr zum Kryptonit der Rot-Weißen avancierte und den verdienten Auswärtssieg der Gäste absicherte. Die HSG weist nun 7:5 Punkte auf und steht im Mittelfeld der Tabelle. Der Spielbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.
Mark Bult setzte zu Beginn auf Ligarzewski, Ruddat, Lux, Wilhelm, Duvancic, Erlingsson und Hüter, während Marschall im Angriff für Duvancic auflief. Den besseren Start erwischten jedoch die Gäste aus dem rund 180 Kilometer entfernten Hagen, die von rund 30 mitgereisten Fans in Grün-Gelb unterstützt wurden. Von Boenigk erzielte die Führung für die Eintracht, während die HSG direkt im Sieben-gegen-Sechs attackierte. Dieses Mittel erwies sich jedoch heute als wenig zielführend: Schnelle Ballverluste bestrafte der Hagener Rückraum eiskalt, sodass nach nicht einmal sechs Minuten bereits drei Treffer ins verwaiste Nordhorner Gehäuse gefallen waren – 3:6.
Als Eintracht-Rechtsaußen Busch auf 4:8 erhöhte und erneut ins leere Tor zum 4:9 nachlegte, bahnte sich schon eine klare Richtung an – und Bult beendete das Vorgehen mit dem siebten Feldspieler. Die Umstellung zeigte Wirkung: Beflügelt von mehreren Paraden von Ligarzewski startete die HSG einen furiosen 4:0-Lauf. Hüter brach im Rückraum durch, Lux traf von außen, Ligarzewski hielt, und Wilhelm verkürzte in der 12. Minute unter dem Jubel der Halle auf 8:10.
Hagen reagierte jedoch wie eine Spitzenmannschaft. Der wurfgewaltige Pouya Norouzi antwortete mit einem Doppelschlag zum 8:12. Zudem erwischte Eintracht-Keeper Bochmann einen Sahnetag. Der Schlussmann, der bereits im Februar mit 23 Paraden beim Hagener Auswärtssieg in Lingen zum Matchwinner avancierte, parierte in dieser Phase unter anderem einen Siebenmeter von Lux. Doch die Rot-Weißen ließen nicht nach: Nach feinen Ballgewinnen und Tempogegenstößen durch Marschall und Ruddat glich die HSG in der 20. Minute beim 13:13 erstmals aus. Das Pendel schien nun tatsächlich in Richtung der Gastgeber auszuschlagen, doch die Chance zur ersten eigenen Führung ließen die Hausherren ungenutzt.
In der Schlussphase der ersten Hälfte stellte der Hagener Coach Prokopec die Deckung auf eine bewegliche 5:1-Formation um. Der vorgezogene Kraus stellte Spielmacher Erlingsson vor Probleme. Zwar glich Gentzel noch zum 14:14 aus und Hoogland traf in der letzten Minute zum 16:16, doch Pouya setzte praktisch mit dem Halbzeitpfiff den Treffer zum 16:17-Pausenstand.
Nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern ein ähnliches Bild: Die HSG kämpfte um jeden Zentimeter, doch Hagen fand defensiv wie offensiv immer wieder die passende Antwort. Beim Stand von 18:18 vergab die Bult-Sieben durch ein Stürmerfoul erneut die Chance zur Führung. Auf der Gegenseite kassierten die Rot-Weißen eine Zeitstrafe gegen Wilhelm, und Hagen nutzte die Überzahl gnadenlos aus. Ein weiteres Empty-Net-Tor sowie ein von Bochmann parierter Siebenmeter gegen Erlingsson brachten die Westfalen wieder mit 18:21 in Front (35.).
Immer wieder war es der überragende Rückraum der Gäste um die erfahrenen Routiniers Pouya, von Boenigk und de la Pena, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Die HSG blieb zwar durch starke Einzelleistungen von Marschall und Hüter bis zum 21:22 (40.) in Schlagdistanz, doch Hagen zog das Tempo an. Über den treffsicheren Rechtsaußen Busch setzte sich die Eintracht auf 21:25 ab. Bult stellte erneut auf Sieben gegen Sechs um, doch Bochmann vereitelte freie Einwurfmöglichkeiten von Duvancic und Wilhelm.
In der 45. Minute keimte noch einmal Hoffnung auf, als Lux einen Siebenmeter sicher zum 24:26 verwandelte. Doch Hagen spielte in der entscheidenden Phase die Routine seiner erfahrenen Stützen aus. Ein Ballverlust der HSG in Überzahl führte in der 52. Minute zum sechsten Empty-Net-Treffer der Gäste und zum vorentscheidenden 28:33. Als Bochmann kurz darauf seine 15. Parade zeigte und Hagen zum 29:34 traf, war die Partie gelaufen. Am Ende schraubte Kreisläufer Jungemann das Ergebnis weiter in die Höhe, ehe Thiel und Lux mit drei späten Treffern noch etwas Ergebniskosmetik betrieben. Der Endstand lautete 32:37. Insgesamt acht Gegentreffer ins leere Tor hatten daran einen gewichtigen Anteil.
Auf der anschließenden Pressekonferenz zog Hagens Trainer Prokopec trotz des Erfolgs ein kritisches Fazit: „Ich habe ein wildes Spiel gesehen mit sehr viel Tempo. Ich bin glücklich über die zwei Punkte und will den Sieg nicht kleinreden, aber mit der Qualität kann ich nicht zufrieden sein. Wir haben zu viele Fehler gemacht und hätten mehr Tore erzielen müssen. Dann hätte das Spiel auch 40:46 ausgehen können.“ Auf Nachfrage untermauerte er die Aufstiegsambitionen seines Klubs: „Den Aufstieg wünschen wir uns alle“, aber betonte: „Wenn wir immer so spielen, wird es nicht reichen.“
HSG-Cheftrainer Mark Bult zeigte sich realistisch, lobte aber den Einsatz seiner Mannschaft: „Es war kein schönes Spiel, die Zahl der technischen Fehler war auf beiden Seiten viel zu hoch. Aber mein Team hat nach der Energieleistung am Mittwoch in Ludwigshafen gut gekämpft, darauf bin ich stolz. Unser Sieben-gegen-Sechs hat heute leider nicht funktioniert und wir haben auch einige ‚komische‘ Dinge gemacht, die so nicht abgesprochen waren. Am Ende hat Hagen das Spiel mit ganz viel Erfahrung und Souveränität gewonnen.“
Beste Werfer der Partie waren bei Nordhorn-Lingen Marschall mit 9 Toren sowie Lux (6/1) und Hüter (6). Keeper Ligarzewski zeigte mit 13 Paraden erneut eine solide Leistung, blieb damit jedoch hinter Bochmann im Hagener Tor (17). Für die Eintracht trafen Busch (7/2), von Boenigk (6) und Jungemann (6) am häufigsten.
Für die HSG Nordhorn-Lingen richtet sich der Blick nun direkt nach vorne, denn in der kommenden Woche steht ein Highlight auf dem Programm: Am Samstag, den 10. Oktober, reist die Bult-Sieben zum Derby. Nach mehr als 4½ Jahren Pause kommt es im nur gut 50 Kilometer entfernten Emsdetten wieder zum Aufeinandertreffen der beiden Nachbarn – inklusive eines Wiedersehens mit den Ex-HSG-Akteuren Zintel und Tobeler. Nebenbei: Der TVE unterlag am Abend mit 28:30 in Großwallstadt. Das nächste Heimspiel steigt dann am Sonntag, den 18. Oktober, um 17 Uhr in der EmslandArena gegen den TuS Ferndorf.






