Erstes Derby nach viereinhalb Jahren

Erstes Derby nach viereinhalb Jahren

Am Samstag, den 10. Oktober, steht für die HSG Nordhorn-Lingen das Auswärtsspiel beim TV Emsdetten auf dem Programm. Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Nachbarklubs seit Anfang 2022. Die gewohnt stimmungsvolle Ems-Halle ist für die Partie des 7. Spieltags der 2. HBL mit gut 2.000 Zuschauern bereits nahezu ausverkauft. Anwurf ist um 19:30 Uhr.

Wenn das Bult-Team die kurze Reise über die gut 50 Kilometer ins nördliche Münsterland antritt, steht das erste Nachbarschaftsduell seit über viereinhalb Jahren an. Im August trafen beide Klubs zwar bereits in einem Testspiel aufeinander, das die HSG in Nordhorn mit 33:25 für sich entschied – doch allen Beteiligten ist klar, dass dieses Resultat wenig Aussagekraft für das Duell in der Liga besitzt.

Der TV Emsdetten kehrte im Sommer nach dem Abstieg 2022 und einer dominanten Drittliga-Meisterschaft (nur eine Niederlage) über eine dramatische Aufstiegsrunde zurück ins Unterhaus. Am letzten Spieltag profitierte der TVE von einer Gelnhausener Heimniederlage gegen Aue. Die Erleichterung und Freude waren riesig. Wie groß die Begeisterung in der Region ist, belegen auch die aktuellen Zahlen: In der Zuschauerstatistik belegt der Aufsteiger hinter den Erstliga-Absteigern Leipzig und Minden den 3. Platz.

Im DHB-Pokal sorgte der TVE für einen Coup, als er den Erstligisten ThSV Eisenach aus dem Wettbewerb warf und das Achtelfinale erreichte (Gegner: Erlangen). In der Liga steht der TVE mit 4:8 Punkten aktuell auf Rang 13. Dabei setzte die Mannschaft von Trainer Lennart Lingener beim 37:34-Auswärtssieg in Hagen ein dickes Ausrufezeichen, unterlag am vergangenen Spieltag jedoch knapp mit 28:30 in Großwallstadt. Die HSG Nordhorn-Lingen (7:5 Punkte) reist nach der bitteren 32:37-Heimniederlage gegen Hagen mit dem festen Vorsatz an, wieder etwas Zählbares mitzunehmen.

Ein Duell der vertrauten Gesichter

Besondere Aspekte erhält die Partie durch zwei Spieler im Trikot des TVE, die bis zum Sommer noch Rot-Weiß trugen: Der Rückraumrechte Jaris Tobeler, der weiter in Lingen wohnt, und Spielmacher Björn Zintel. Beide bilden aktuell eine Fahrgemeinschaft nach Emsdetten. Zintel lebt noch in Neuenhaus in direkter Nachbarschaft zu HSG-Cheftrainer Mark Bult und pflegt weiter guten Kontakt zu seinen ehemaligen Teamkollegen. Am Samstag hofft er auf seine Rückkehr ins Team, denn zuletzt verpasste der Regisseur vier Spiele wegen eines Muskelfaserrisses im Bauchmuskel – würdig vertreten durch den 25-jährigen Bjarne Budelmann in der Rückraummitte. Zintel hebt vor der Partie die besondere Atmosphäre und die Begeisterung im Umfeld des TVE heraus: „Jedes Heimspiel ist laut und macht richtig Bock. Und das Herzblut, das Engagement und die Passion aller Beteiligten sind außergewöhnlich.“ Zudem spiele die Zeit für die Mannschaft, die sich Woche für Woche körperlich und handballtaktisch weiterentwickele. „Je länger die Saison geht, umso mehr werden wir in der Lage sein, Punkte zu holen“, ist er sich sicher.

Auch Jaris Tobeler fühlt sich in Emsdetten sehr wohl. Der Linkshänder hat in der Meisterschaft bereits 21 Treffer erzielt – beim Pokalcoup gegen Eisenach waren es überragende 8 Tore – und übernimmt mehr Verantwortung als in der Vorsaison bei der HSG. Er blickt mit Vorfreude auf die Begegnung: „In Nordhorn-Lingen sind gute Freundschaften entstanden. Ich freue mich darauf, viele alte Mitspieler wiederzusehen und nachher einen kleinen Schnack zu halten.“ Dass die HSG trotz der bekannten Schwierigkeiten in der Liga geblieben ist, freut ihn ausdrücklich. Wie Björn Zintel saß er beim Heimspiel gegen Hamm selbst auf der Tribüne in der EmslandArena. Und den TVE sieht auch Tobeler bestens aufgestellt: „Wir sind auf einem richtig guten Weg. Und gerade für die Auswärtsmannschaften ist es nicht leicht, bei uns zu bestehen.“

Hüter: „Unsere Aufgabe ist es, die Halle leiser zu bekommen“

Im aktuellen Kader der HSG hat noch kein Akteur eine Partie im rot-weißen Trikot gegen Emsdetten bestritten. Beim TVE stehen mit Rechtsaußen und 7-Meter-SchützeYannick Terhaer, Torwart Krechel und Robin Jansen drei Spieler im Aufgebot, die schon in 2021/22 zum Aufgebot gehörten. Terhaer, der bereits seit seinem vierten Lebensjahr für den TVE spielt, wurde von der HBL übrigens für die Wahl zum „Spieler des Monats September“ nominiert – genauso wie das HSG-Duo Kacper Ligarzewski und Christian Wilhelm.

Zu den Schlüsselspielern auf Seiten der Emsdettener gehören zudem Torhüter Paul Dreyer, der mit 50 % parierten Siebenmetern (13 von 26) ligaweit auf Platz 1 rangiert – vor HSG-Keeper Ligarzewski. Der beste Feldtorschütze ist Linksaußen Eric Damböck. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft ist der Rückraum-Linke Niclas Heitkamp, der 2023 gemeinsam mit HSG-Kreisläufer Wilhelm U21-Weltmeister wurde.

Auf HSG-Seite bringt Ian Hüter reichlich Emsdetten-Erfahrung aus früheren Duellen mit. Beim letzten Auswärtssieg mit Dormagen in Emsdetten 2022 erzielte der Rückraumspieler sechs Tore. Der 28-Jährige versteht sich als flexibler Allrounder und hilft bei der HSG aktuell verletzungsbedingt viel im rechten Rückraum aus, was er aus Dormagener Zeiten gut kennt. Auch auf ihn wartet am Samstag ein Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährten: Florian Träger und André Meuser waren früher auch in Dormagen aktiv. Hüter weiß dabei genau, was die Bult-Sieben erwartet: „Ich habe immer gern in Emsdetten gespielt. Es ist kompakt, eng und laut und für die Auswärtsmannschaft nicht immer einfach. Aber es ist unsere Aufgabe, die Halle möglichst schnell leiser zu bekommen.“

Die Zuschauer in der Ems-Halle dürfen sich also auf ein intensives und spannendes Nachbarschaftsduell freuen. Ein großes Dankeschön geht vorab an die zahlreichen HSG-Auswärtsfans. Wer am Samstagabend nicht vor Ort mit dabei sein kann, sei wie immer auf den Dyn Livestream verwiesen. Die Übertragung beginnt um 19:15 Uhr.

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