Drama pur im Nachbarschaftsduell: HSG kassiert Ausgleich per Buzzer-Beater
Ein höchst intensives Nachbarschaftsduell zwischen dem TV Emsdetten und der HSG Nordhorn-Lingen endete am Samstagabend mit einem hochdramatischen 34:34 (18:15)-Unentschieden. Vor über 2.000 Zuschauern in der proppevollen Ems-Halle boten beide Mannschaften einen Handball-Krimi. Die Bult-Schützlinge, deren Vorbereitung unter der Woche durch mehrere Krankheitsfälle erschwert worden war, zeigten zwischendurch trotz eines Wechselbads der Gefühle eine enorme kämpferische Moral. Nachdem die Rot-Weißen in der ersten Halbzeit eine Drei-Tore-Führung verspielt hatten und Mitte der zweiten Hälfte sogar mit fünf Treffern in Rückstand geraten waren, kämpften sie sich zurück und erarbeiteten sich kurz vor Schluss wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung. Ein Buzzer-Beater-Tor nach Freiwurf der Gastgeber verhinderte jedoch den greifbar nahen Auswärtserfolg und sorgte für Jubel auf der einen und Entsetzen auf der anderen Seite. Der Spielbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.
Schon lange vor dem Anpfiff war die Vorfreude auf das erste Pflichtspiel-Aufeinandertreffen seit über viereinhalb Jahren greifbar. Ein besonderes Dankeschön gebührt den gut 100 mitgereisten HSG-Fans, die in der stimmungsvollen Kulisse unüberhörbar dagegenhielten. Der rot-weiße Gästeblock präsentierte vor dem Einlaufen der Teams eine extrem sehenswerte Choreo, die einmal mehr hervorragend von der Äppler-Crew organisiert worden war.
Und damit rein ins Spiel: HSG-Cheftrainer Mark Bult verzichtete zu Beginn auf seine etablierten Spielmacher Hoogland und Erlingsson. Und der Auftakt verlief alles andere als nach Maß: Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Ruddat eine frühe Zeitstrafe kassierte. Die Hausherren nutzten die Überzahl aus und gingen durch ihre Außen Terhaer sowie kurz darauf Damböck mit 2:0 in Führung. Doch die Rot-Weißen fingen sich. Wilhelm sorgte für den ersten HSG-Treffer, ehe Lux von der Siebenmeterlinie ausglich. Früh entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Über die Zwischenstände 4:4 (Gentzel) und 5:5 (Marschall) nutzte Lux von Rechtsaußen die Chance zur ersten HSG-Führung (5:6, 9.).
In dieser Phase übernahm die HSG zunehmend die Kontrolle. Die Abwehr vor Ligarzewski stand stabil, und im Umschaltspiel agierte das Bult-Team konzentriert. Nachdem Ruddat per Tempogegenstoß auf 6:8 erhöhte, legten Marschall und Wilhelm postwendend nach und schraubten den Vorsprung in der 12. Minute auf 7:10. Emsdettens Trainer Lingener sah sich gezwungen, früh die erste Auszeit zu nehmen.
Bitterer Einbruch vor der Pause
Die Chance, den Vorsprung auf vier Tore auszubauen, ließ die HSG in der Folge leider ungenutzt. Nach einer Zeitstrafe gegen HSG-Kapitän Marschall kam der TVE wieder in die Spur. Als Folge eines Ballverlusts kassierten die Gäste ein Empty-Net-Goal zum 9:10-Anschluss (16.). Obwohl Gentzel und Marschall die HSG zunächst noch vorn hielten (10:12), prägten nun zunehmend Ballverluste und unkonzentrierte Abschlüsse das Bild. In der 21. Minute kam Erlingsson auf die Platte und führte sich sogleich mit einem Treffer zum 11:13 ein. Doch der TVE nutzte die sich abzeichnende Schwächephase der Gäste gnadenlos aus. Angeführt von ihrem stark aufspielenden Linksaußen Damböck, glich Emsdetten in der 25. Minute zum 14:14 aus.
Auch eine HSG-Auszeit konnte den Lauf der Gastgeber nicht stoppen. Ballverluste im Spielaufbau spielten dem TVE in die Karten, der das Spiel mit einem imposanten 6:1-Lauf komplett drehte. In den letzten sieben Minuten vor dem Seitenwechsel gelang lediglich Hüter ein Treffer für die HSG. Nach insgesamt acht technischen Fehlern im ersten Durchgang ging es schließlich mit einem enttäuschenden Minus-3-Rückstand in die Kabinen (18:15).
Lautstarke Ansage zeigt Wirkung: Die HSG kämpft sich zurück
Der Start in die zweite Halbzeit knüpfte zunächst an die Endphase des ersten Durchgangs an. Emsdetten zog begünstigt durch zu wenig Zugriff in der Abwehr sowie weitere Ballverluste der Gäste bis zur 36. Minute auf 22:17 davon. HSG-Coach Mark Bult nahm umgehend eine Auszeit und wurde beim Team-Timeout extrem laut: „Wir sind überhaupt nicht da! Werdet wach!“, schallte es unüberhörbar durch die Ems-Halle.
Diese Ansage sollte Wirkung zeigen. Zwar kassierte Hüter kurz darauf die nächste Zeitstrafe, doch die Bult-Sieben bewies nun eine gute Moral. Der für Ligarzewski eingewechselte Tschentscher zeichnete sich mehrfach aus und verlieh der Abwehr die nötige Sicherheit. Und vorne übernahmen nun Erlingsson und vor allem der gut aufgelegte Ruddat das Kommando. Die Rot-Weißen agierten in der Abwehr nun gewohnt beweglich, verschoben gut und belohnten sich auch im Angriff. Über 20:23 und 22:24 (43.) verkürzte Ruddat nach tollem Zusammenspiel in der 45. Minute auf 23:24. Die mitgereisten HSG-Fans standen nun wie ein Mann hinter ihrem Team. Und Bult stellte im Angriff auf den siebten Feldspieler um – eine Maßnahme, die dem Spiel der Gäste endgültig die Wende bringen sollte.
Führungswechsel in der Crunch-Time
In der 47. Minute vollendete Wilhelm einen Tempogegenstoß zum 24:24-Ausgleich. Der 4:0-Lauf der HSG war perfekt! Das Spiel stand nun auf Messers Schneide, während die Unparteiischen weiterhin konsequent Stürmerfouls auf beiden Seiten ahndeten. In der 50. Minute war es schließlich van Berlo, der die HSG wieder in Führung brachte (25:26). Kreisläufer Wilhelm legte direkt zum 25:27 nach. Als der TVE wieder verkürzte, behielt Lux von der Siebenmeterlinie erneut die Nerven und stellte auf 26:28.
Fünf Minuten vor dem Ende lag die HSG durch einen weiteren Treffer von Thiel mit 28:30 vorne. Emsdetten steckte jedoch nicht auf und nutzte das Risiko des HSG-Angriffsspiels mit dem siebten Feldspieler nochmals aus: Ein Ballverlust führte zum erneuten Ausgleich ins leere Tor (30:30, 56.).
Dramatik in der Schlussminute
Der starke Ruddat brachte die Rot-Weißen mit seinem siebten Treffer abermals mit 30:31 in Front. Nach einem Ballgewinn in der Abwehr erhöhte Erlingsson aus dem Rückraum auf 30:32. Und als van Berlo gut 90 Sekunden vor dem Ende zum 31:33 traf, schien der Auswärtssieg greifbar nah. Nach einer letzten Auszeit von Mark Bult markierte Erlingsson eine Minute vor dem Abpfiff sogar das 32:34. Doch im Gegenzug verkürzte der TVE postwendend vom Kreis auf 33:34.
Was folgte, war an Dramatik kaum zu überbieten: 11 Sekunden vor dem Ende verlor die HSG im Angriff den Ball. Emsdettens Trainer nahm sofort seine letzte Auszeit. Die Bult-Sieben formierte eine offensive Deckung, um die verbleibenden Sekunden von der Uhr zu nehmen. Zwei Sekunden vor Schluss bekamen die Gastgeber noch einen letzten Freiwurf zugesprochen. Meuser wurde angespielt, stieg hoch und beförderte den Ball per Buzzer-Beater oben rechts in den Knick. Nach kurzer Ungewissheit erkannten die Schiedsrichter den Treffer an – der 34:34-Endstand war besiegelt.
Am Ende blieb den Rot-Weißen ein extrem bitterer Beigeschmack, da zwei sicher geglaubte Punkte in letzter Sekunde aus den Händen glitten. Dennoch kann die Bult-Sieben auf die einmal mehr gezeigte Leistungssteigerung im zweiten Durchgang auch stolz sein. Für die HSG trafen Ruddat (7), Marschall und Wilhelm (je 5) am häufigsten. Bei Emsdetten lagen die Außen Terhaer (9/3) und Damböck (8) vorn. Keeper Dreyer kam auf 15 Paraden.
Heimspiel gegen Ferndorf vor der Brust
Lange Zeit zum Trübsalblasen bleibt der HSG Nordhorn-Lingen ohnehin nicht. Bereits am Sonntag, den 18. Oktober, steht das nächste Spiel in der 2. HBL an. Um 17 Uhr gastiert dann der TuS Ferndorf in der EmslandArena. Die Siegerländer, dem Ex-Team von Valentino Duvancic, sind solide in die Saison gestartet und werden Nordhorn-Lingen alles abverlangen. Die HSG zählt auch in heimischer Halle wieder auf die großartige Unterstützung ihrer Fans, um gemeinsam die nächsten zwei Zähler einzufahren.






