Am 10. Spieltag der 2. HBL steht für die HSG Nordhorn-Lingen ein wichtiges Heimspiel auf dem Programm: Am Sonntag um 17 Uhr empfängt das Team von Cheftrainer Mark Bult den Dessau-Roßlauer HV im Euregium. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt belegen mit 6:12 Punkten aktuell Rang 13. Vor der anschließenden 14-tägigen Länderspielpause wollen die Rot-Weißen vor heimischer Kulisse zurück in die Erfolgsspur finden. Tickets für die Partie könnt ihr hier kaufen.
HSG will vor der Länderspielpause punkten
Nach gutem Saisonstart ist die Zwischenbilanz der HSG zuletzt deutlich weniger erfreulich ausgefallen. Aus den vergangenen vier Begegnungen holten die Rot-Weißen lediglich einen Punkt. Besonders die empfindliche Heimniederlage gegen den TuS Ferndorf schmerzte. Zwar zeigte sich die Mannschaft am vergangenen Freitag beim Tabellenfünften in Potsdam leistungsmäßig verbessert, Zählbares sprang jedoch erneut nicht heraus.
Damit ist der Druck vor dem Heimspiel gegen Dessau gewachsen. Zugleich weiß die HSG um ihre Möglichkeiten: Wenn die Mannschaft ihr Leistungspotenzial ausschöpft, ist ein Sieg gegen die Biber zweifellos möglich. Die Gelegenheit, sich vor der Pause mit zwei wichtigen Punkten zu belohnen, will das Team nutzen.
Der Gegner: Die Biber aus Dessau
Dessau-Roßlau zählt rund 75.000 Einwohner und liegt etwa 400 Kilometer von Nordhorn entfernt. Der DRHV wird seit 2025 von Vanja Radić trainiert, der zuvor als Co-Trainer tätig war und die Nachfolge des langjährigen Trainers Uwe Jungandreas antrat. In der vergangenen Saison beendeten die Sachsen-Anhalter die Spielzeit auf Rang 10.
Zuletzt präsentierten sich die Biber vor allem in eigener Halle in guter Verfassung. Sowohl gegen Lübeck-Schwartau als auch gegen Leipzig, zwei Teams aus der Spitzengruppe, gelangen Heimsiege. Dazwischen musste Dessau nach langer Führung in Großwallstadt noch eine knappe Auswärtsniederlage hinnehmen. Beim jüngsten 36:33 gegen Leipzig am vergangenen Wochenende lagen die Biber über weite Strecken vorn, gerieten in der zweiten Halbzeit kurzzeitig in Rückstand, bewahrten anschließend aber die Ruhe und drehten die Partie wieder zu ihren Gunsten.
Ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg war einmal mehr das schnelle Umschaltspiel. Die Biber sind für ihr Tempospiel bekannt und bringen ihre Gegenangriffe immer wieder konsequent ins Ziel. Auch insgesamt ist bei Begegnungen mit Dessauer Beteiligung einiges geboten: Nur in den Partien des HC Elbflorenz fielen bislang noch knapp mehr Tore als in den Spielen des DRHV.
Hadzimuhamedovic sorgt für Torgefahr
Ein Name sticht im bisherigen Saisonverlauf besonders hervor: Alen Hadzimuhamedovic. Der knapp 20-jährige Neuzugang kam aus Bietigheim, wo der Deutsch-Bosnier unter Iker Romero bereits in der Bundesliga zum Einsatz gekommen war. Bei der U20-Europameisterschaft im Sommer gehörte er als zweitbester Torschütze des Turniers zu den auffälligsten Akteuren. Inzwischen steht er auch im Kader der A-Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Seine bisherigen Zahlen unterstreichen seine Bedeutung für die Biber: 60 Tore, darunter 37 verwandelte Siebenmeter, sowie elf Assists stehen für ihn bereits zu Buche. Beim jüngsten Sieg gegen Leipzig traf er gleich zwölfmal und verwandelte dabei alle neun Siebenmeter.
Bei den Feldtoren wird Hadzimuhamedovic im eigenen Team noch von Kapitän Marcel Nowak übertroffen. Das polnische Kraftpaket kommt auf 47 Feldtreffer und liegt damit ligaweit nur knapp hinter HSG-Kapitän Tarek Marschall, der bislang 50 Feldtore erzielt hat. Darüber hinaus hat Nowak 27 Assists auf seinem Konto. In dieser Statistik führt HSG-Spielmacher Elmar Erlingsson mit 47 Vorlagen die Liga an. Umso größer war die Sorge, als Nowak im Spiel gegen Leipzig nach einem schweren Foulspiel kurz vor Schluss auf einer Trage vom Feld gebracht werden musste. Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich glücklicherweise nicht: Der DRHV gab eine schwere Prellung im unteren Rückenbereich als Diagnose bekannt.
Neben Hadzimuhamedovic und Nowak zählen Spielmacher Mika Schüler, Rückraumspieler Yannick Danneberg und Rechtsaußen Yannick-Marcos Pust zu den weiteren wichtigen Akteuren der Dessauer. Am Kreis überzeugt Valentin Neagu, der im bisherigen Saisonverlauf den besten durchschnittlichen HPI-Wert innerhalb seines Teams aufweist.
Zwischen den Pfosten steht mit Philip Ambrosius ein besonders erfahrener Akteur. Der Torwart gehört dem DRHV bereits seit 2016 an und ist damit mit Abstand der dienstälteste Spieler im Kader. Zwar liegt die Fangquote der HSG-Torhüter derzeit fast zehn Prozentpunkte über derjenigen der Dessauer Keeper, doch Ambrosius zeigte beim 36:33 gegen Leipzig mit 16 Paraden eine außergewöhnliche Leistung. Und auch offensiv setzt er Akzente: Sechs Saisontore des erfahrenen Schlussmanns sind bislang der Bestwert unter den Torhütern der 2. HBL.
Der Direktvergleich spricht knapp für Dessau
In der Gesamtbilanz der direkten Duelle liegt der DRHV noch knapp vorn. Die beiden Begegnungen der vergangenen Saison gingen allerdings jeweils an die HSG. Besonders eindrucksvoll fiel der Auswärtssieg in Sachsen-Anhalt aus: Damals setzte sich die Mannschaft von Mark Bult mit 15 Toren Vorsprung durch. Auch das Rückspiel Ende Februar entschieden die Rot-Weißen für sich. Beim 34:30 gehörten Frieder Bandlow und der aus Sachsen-Anhalt stammende Elias Ruddat (neun Tore) zu den Matchwinnern. Die HSG hat gegen die Biber also zuletzt gute Erfahrungen gesammelt – eine Grundlage, auf der das Team am Sonntag aufbauen möchte.
Stimme zum Spiel: Johannes Thiel
Der gebürtige Lingener Johannes Thiel bestreitet nach seinem Wechsel von den „Jungrecken“ aus Hannover-Burgdorf seine erste Saison bei der HSG. Nach den beiden Niederlagen gegen Ferndorf und in Potsdam betont der Rückraumrechte, dass sich aus jeder Partie auch positive Erkenntnisse mitnehmen ließen. Gerade in Potsdam habe die Mannschaft im Vergleich zum Heimspiel zuvor eine Reaktion gezeigt: Sie sei deutlich engagierter aufgetreten, zudem habe das Team besser zusammen agiert. „Ein schlechtes Spiel ist das eine, aber wenn die Einstellung nicht stimmt, kommst du für Punkte nicht in Frage“, macht Thiel deutlich.
Gegen den Dessau-Roßlauer HV erwartet der 21-Jährige einen harten Kampf. Der Gegner komme ebenfalls über Emotionen und Zusammenhalt, weshalb es für die HSG darauf ankomme, dagegenzuhalten und als Mannschaft geschlossen aufzutreten.
Auch persönlich sieht sich Thiel auf einem guten Weg. „Ich komme immer besser rein, aber ich habe noch viel zu lernen“, sagt der Neuzugang, der inzwischen von Trainer Mark Bult mehr und mehr Einsatzminuten erhält. Mit seiner bisherigen Leistung in der Defensive sei er sogar noch zufriedener als mit seinen offensiven Beiträgen. Im Angriff wolle er künftig noch mehr Verantwortung übernehmen. Die Hinweise des Trainers seien dabei sehr hilfreich.
Wie anspruchsvoll der Wechsel vom Top-Team der vierten Liga in die 2. HBL tatsächlich ist, habe er inzwischen am eigenen Leib erfahren. „Jede Mannschaft kann tatsächlich jede schlagen. Wenn du keine Top-Leistung abrufst, kommst du für Punkte nicht in Frage.“ Diese Ausgeglichenheit sei ihm vor seinem Wechsel noch nicht vollständig bewusst gewesen. Nun erlebe er Woche für Woche, wie hoch die Anforderungen in der zweiten Liga sind.
Am Sonntag darf Johannes Thiel wieder auf die Unterstützung seiner Familie bauen: Seine Eltern werden wie immer unter den Zuschauern sein und ihren Sohn anfeuern – gemeinsam mit hoffentlich vielen HSG-Anhängern im Euregium. Für alle Fans, die nicht live dabei sein können, überträgt Dyn die Partie wie gewohnt live. Die Übertragung beginnt am Sonntag um 16:45 Uhr.







