„Ich bin Nordhorner“ – Interview mit Alexander Terwolbeck
28 Jahre HSG Nordhorn-Lingen: Alexander Terwolbeck hat den Verein geprägt wie kaum ein anderer. Als Einlaufkind und Fan auf der Tribüne erlebte er goldene Erstligazeiten, spielte selbst in allen Jugendteams und feierte 2009 sein Debüt in der 1. Liga. Der Spielmacher absolvierte mehr als 500 Pflichtspiele im Profibereich, erzielte weit über 600 Tore und führte die HSG 2019 als Kapitän zurück in die Bundesliga. 2024 wurde der heute 34-Jährige als HSG-Legende verabschiedet. Seitdem hängt sein Portrait neben denen von Björn Buhrmester, Luca de Boer und Pavel Mickal auf der „Wall of Fame“ im Euregium. Nach seiner Karriere zog es ihn mit seiner Familie nach Großenheidorn am Steinhuder Meer, wo seine Frau Jana aufgewachsen ist. Wir haben mit ihm über sein neues Leben, die Familie, den Beruf und natürlich die HSG gesprochen.
Hallo Alex, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt eurer Tochter. Bring uns doch bitte auf den neuesten Stand.
„Danke dir. Anfang Juni wurde unsere Tochter Lore geboren. Darüber freuen wir uns natürlich riesig. Ihr großer Bruder Johan wird im Sommer schon drei Jahre alt und kommt dann in den Kindergarten.“
Und geht dein Sohn auch schon mit dem Handball um?
„Ja, total. Er ist handballverrückt und kennt schon die Namen vieler Nationalspieler. Besonderer Fan ist er von Lukas Zerbe. Ich glaube, das liegt vor allem an seinen Siebenmetern. Wir wohnen hier außerdem in einem Ort, in dem Handball eine große Rolle spielt und es gar keinen Fußballverein gibt. Die Halle ist nur einen Steinwurf entfernt. Das wird auch so bleiben, wenn unser Hausbau abgeschlossen ist, der uns aktuell noch ziemlich beschäftigt. Im Herbst möchten wir gern einziehen.“
Auch beruflich bist du inzwischen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen angekommen. Wie sieht es diesbezüglich bei dir aus?
„Mein Referendariat am kaufmännischen Berufskolleg in Minden mit den Fächern Deutsch und Sport habe ich in diesem Frühjahr erfolgreich abgeschlossen. Aktuell arbeite ich dort noch mit einer Vertretungsstelle. Zum neuen Schuljahr werde ich übernommen und gleichzeitig an eine Förderschule in Bad Oeynhausen abgeordnet. Darauf freue ich mich sehr. Dort werde ich auch mit jüngeren Schülern arbeiten. Das wird sicher anspruchsvoll, ist für mich aber eine tolle Chance, noch einmal etwas Neues kennenzulernen und mich persönlich weiterzuentwickeln. Das alles passt gut, weil meine Frau auch Lehrerin an einem Berufskolleg ist.“
Du hast den MTV Großenheidorn schon angesprochen. Was macht den Verein aus?
„Der MTV Großenheidorn ist im Handball top organisiert. Meine Frau Jana, die ich übrigens über die Talentförderung im Handball kennengelernt habe, hat hier mit dem Handballspielen angefangen und es später bis in die 2. Bundesliga geschafft. Beim MTV haben wir uns schon im Kinderturnen engagiert, und inzwischen unterstütze ich einmal pro Woche auch den Trainerstab der 1. Herrenmannschaft, die gerade in die 3. Liga aufgestiegen ist.“
Fühlst du dich inzwischen als Großenheidorner?
„Nein, ich bin Nordhorner. Das versuche ich unserem Sohn auch immer wieder zu erklären, aber das ist gar nicht so einfach“ (lacht).
Und wie verfolgst du heute deine HSG?
„Ich habe alle Spiele gesehen. Im ersten Jahr nach meinem Abschied war ich auch häufiger live dabei, vor allem bei Auswärtsspielen in der Nähe. Zuletzt fehlte dafür wegen des Referendariats, des Hausbaus und natürlich der Familie etwas die Zeit. Wenn ich aber in Nordhorn im Euregium oder in Lingen bin, ist das immer etwas Besonderes.“
Bist du noch in Kontakt mit ehemaligen Mitspielern?
„Ja, auf jeden Fall. Mit Tarek und Maxi Lux aus dem aktuellen Team habe ich noch zusammengespielt. Kontakt habe ich vor allem zu Lasse (Seidel) und Biedel (D. Bartels). Besonders eng befreundet bin ich weiterhin mit Luca de Boer. Im Juli fahren wir auch zu seiner Hochzeit, dort wird natürlich auch Lutz Heiny dabei sein. Wir stehen gelegentlich miteinander in Kontakt.“
Wie hast du die wirtschaftlichen Herausforderungen und die aktuelle Situation bei der HSG in den vergangenen Monaten verfolgt?
„Bei aller Kritik, die immer wieder geübt wird, ist es mir wichtig zu sagen, dass solche Entwicklungen im Handball völlig normal sind. Handball hat sehr viel mit Konjunktur zu tun. Dass die HSG-Verantwortlichen so transparent mit den wirtschaftlichen Herausforderungen umgehen, finde ich gut. Was jetzt passiert, habe ich in meinen 15 Jahren als Profi gefühlt ständig erlebt. Es geht manchmal extrem nach oben und dann ebenso schnell wieder nach unten. Ich habe selbst mehrere schwierige Phasen miterlebt. Aber genau darin zeigt sich auch, wie eine Mannschaft zusammenhält – und zwar nicht nur auf dem Spielfeld. Es zeigt sich auch, wie gut der Trainer und das Management sind. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben wir oft die größten Erfolge gefeiert, weil wir als Team und Verein einen großen Zusammenhalt hatten. Besonders für junge Spieler können solche Situationen aber auch große Chancen bieten. Es ergeben sich neue Möglichkeiten, neue Persönlichkeiten treten hervor und Spieler, die vorher eher unter dem Radar geflogen sind, übernehmen Verantwortung. Ich bin gespannt, welche Spieler diese Chancen annehmen.“
Wie nervös bist du heute noch, wenn du die Spiele verfolgst?
„Viel ruhiger als früher. Natürlich möchte ich, dass wir gewinnen, aber inzwischen genieße ich die Spiele einfach. Ich schaue nicht mehr so analytisch auf alles, sondern konsumiere die Spiele eher als Zuschauer. Das fühlt sich gut an. Mein Leben hat sich komplett verändert. Früher drehte sich praktisch alles um den Handball, auch in meinem engsten Umfeld. Heute steht die Familie an erster Stelle. Und das ist auch gut so.“
Lieber Alex, vielen Dank für das Gespräch. Für eure junge Familie, den Hausbau, den Start an der neuen Schule und alles, was kommt, wünschen wir dir weiterhin alles Gute.





