Der Auftakt des dritten HSG Premium Cups ist vorüber – und den Handballfans im Nordhorner Euregium wurde schon viel Spektakuläres geboten, bevor mit den Füchsen Berlin und dem FC Barcelona die beiden Finalteilnehmer feststanden. Der Reihe nach:
Im ersten Halbfinale unterlag der französische Serienmeister Paris St. Germain dem deutschen Vize-Meister, Pokalsieger und Champions-League-Finalisten, den Füchsen Berlin, mit 28:31. Das Euregium war dabei natürlich schon voll und die Stimmung von Anfang an prächtig. Doch während draußen der Regen endlich für Abkühlung sorgte, herrschten innerhalb der Halle durchaus tropische Bedingungen, und die Klatschpappen taten gleichermaßen ihren Dienst als Fächer.
Support erhielten Mathias Gidsel und Co. von ein paar Dutzend Füchse-Fans aus ganz verschiedenen Regionen Deutschlands, die sich im Euregium verteilt hatten – darunter z. B. auch Kirsten und Heiko aus Halle/Saale an ihrem 32. Hochzeitstag. Sie bekamen zwei Staraufgebote zu sehen – beide unter der Anleitung eines dänischen Trainers – in denen auf Berliner Seite nur die verletzten deutschen Nationalspieler Lichtlein und Wiede fehlten. Letzterer unterstützte von der Bank aus. Die Franzosen um Prandi, Steins und Luka Karabatic traten mit voller Besetzung an.
Und damit zum Spiel: Der Anfangsphase drückte Welthandballer Gidsel seinen Stempel auf, der ganz allein auf 4:0 stellte. Gegenüber parierte der 40-jährige Andreas Palicka – früher selbst bei PSG – mehrmals bravourös. Beim ersten Time-Out hieß es 6:3 (15.). In der Folge arbeitete Paris sich heran und stellte mit sieben unterschiedlichen Torschützen auf minus-3 (10:7, 23.). Doch richtig zur Entfaltung kommen ließen die Füchse ihren Gegner nicht. Angeführt von Gidsel und Palicka sowie Abwehrchef Marsenić und Spielmacher Grøndahl, hielten sie den Abstand und gingen mit 14:10 in die Pause. Bei PSG hatte bis dahin allein der aus genau derselben Gegend wie HSG-Legende Nicky Verjans stammende Luc Steins doppelt getroffen.
Nach der Pause ging es im Brutkasten Euregium im selben Takt weiter. Beide Mannschaften schenkten sich nichts und nahmen die Vorbereitungspartie, in der teilweise acht Skandinavier gleichzeitig auf der Platte standen, sichtlich ernst. Dabei betrug der Berliner Vorsprung durchgehend drei bis fünf Tore, und in der Auszeit vor der Crunchtime hieß es folgerichtig 24:20 (49.). Insbesondere Welthandballer Gidsel zeigte gegen das sehr erfahrene PSG-Team immer wieder seine überragenden Fähigkeiten.
Als Paris in der 57. Minute auf 30:28 verkürzte, schien eine Wende kurzzeitig möglich, doch eine Zeitstrafe gegen Karabatic, ein weiteres Gidsel-Tor sowie eine Parade des ins Tor gerückten Lasse Ludwig sorgten endgültig für klare Verhältnisse. Nach dem 31:28 stehen die Füchse im Finale am Sonntag, PSG muss im Spiel um Platz 3 ran. Die erfolgreichsten Torschützen hießen Mathias Gidsel (11) sowie Matthes Langhoff (6) bei den Füchsen – der deutsche Nationalspieler hatte sich besonders nach der Pause im linken Rückraum immer wieder bestens in Szene gesetzt. Paris hatte im isländischen Neuzugang Bjarki Mar Elisson (4) seinen besten Schützen, der mit den Füchsen einst Vereinsweltmeister geworden war. Last but not least gab es nach der Schlusssirene auch noch schöne Szenen, denn hinter dem Euregium nahmen sich die Handballstars beider Teams reichlich Zeit für Autogramme und Selfies mit ihren Fans.
Und damit Bühne frei für das zweite Halbfinale zwischen dem FC Barcelona und der HSG Nordhorn-Lingen. Unser Team bereitete sich übrigens in den schwarzen „Herz-aus-Harz“-Supporter-Shirts auf die Partie vor, die im Euregium viel getragen wurden – eine tolle Idee, die in der HSG-Fanszene entstanden war. Im Spiel gegen Barca die neuen Auswärtstrikots ihre Premiere.
Nordhorn-Lingen geriet gegen Dika Mem und Co. direkt 0:2 in Rückstand, bevor Geburtstagskind Maximilian Lux das vielumjubelte erste Tor für seine Farben erzielte. Zum 3:4 traf der sehr auffällige Linksaußen Manuel Ortega, der in der C- und B-Jugend noch zusammen mit HSG-Neuzugang Johannes Thiel bei Hannover-Burgdorf gespielt hatte. Barca-Trainer Carlos Ortega hatte seinerzeit die Recken in der Bundesliga trainiert. Als Co-Kapitän Wilhelm beim 7:6 die erste Führung erzielte, wurde es richtig laut im Euregium. Das Team von Mark Bult blieb auf dem Gaspedal und ging anschließend sogar mit drei Toren nach vorn. Lux, Marschall und Horner hatten schon je dreimal getroffen, als es 15:12 für die HSG hieß – Auszeit Barcelona (17.).
Spielmacher Erlingsson dirigierte, Youngster Florian Els bekam früh Spielzeit, hatte aber noch kein Abschlussglück. Denn nicht nur Ligarzewski, sondern auch der isländische Nationaltorwart Halmgrimsson verstand sein Handwerk. Dabei blieb die Geschwindigkeit enorm hoch: Barcelona konterte die HSG-Angriffe immer wieder in höchstem Tempo und kam zum Ausgleich (17:17; 20.). Doch Nordhorn-Lingen wehrte sich erfolgreich, ging abermals in Front und die Zuschauer waren komplett begeistert, als es die Gastgeber tatsächlich schafften, das Zwischenresultat auf 26:22 zu stellen. Die letzten drei Tore hatte Mittelmann Emiel Hoogland erzielt, Kreisläufer Wilhelm und Linksaußen Elias Ruddat standen schon bei jeweils fünf Treffern. 48 Tore in einer Halbzeit, davon 26 für die HSG – wann hatte es das schon einmal gegeben?
Weiter: Trainer Ortega hatte in der Kabine offensichtlich die richtigen Worte gefunden, denn die Rot-Blauen legten nun eine Schippe drauf. In der 37. Minute hatte Barcelona das Ergebnis gedreht und lag in Führung (29:30), woran insbesondere der schnelle Linksaußen Fernandez seinen Anteil hatte – Auszeit durch Mark Bult. Als es schon in der 41. Minute 31:32 stand, war das Endergebnis aus dem Vorjahr eingestellt, als die HSG dem turmhohen Favoriten zuletzt Paroli geboten hatte.
Auf Linksaußen kam nun auch der junge Paul Hof auf die Platte, fand jedoch in Keeper Hernandez – im Sommer noch Deutscher Meister mit dem SC Magdeburg – seinen Meister. Gleichwohl: Angetrieben von den Handballfans im Euregium, gelang der gerade auch in der Abwehr um Wilhelm und Duvancic Schwerstarbeit verrichtenden HSG die neuerliche Führung: 35:34 (46.). Es sollte die letzte in dieser Partie sein, doch das schmälert die Leistung von Kapitän Marschall und seinen Männern in keiner Weise. Time-Out beim Stand von 36:38 (52.).
38:39 stand es, als Carlos Ortega wegen Reklamierens die gelbe Karte sah – ein Zeichen dafür, wie ernst auch er diese Partie nahm. Die HSG schnupperte in der Crunchtime nochmals am Ausgleich, doch Barcelona mit dem kaum zu haltenden französischen Topstar Dika Mem ließ dies nicht mehr zu. Allein Gentzel gelangen in den letzten zehn Minuten vier Treffer, wie Ligarzewski vorher konnte sich auch Keeper Tschentscher mehrmals auszeichnen und das Publikum bejubelte jede gelungene Aktion. Das Endergebnis lautete 41:44, und den langanhaltenden Applaus hatten sich die Akteure verdient. Die Toptorjäger hießen Fernandez (9/2), Mem (7) und der französische Kapitän N’Guessan bei Barcelona, die HSG hatte in Elias Ruddat (7) und Oscar Gentzel (6) ihre treffsichersten Schützen.
Am morgigen Sonntag geht es weiter, die Anwurfzeiten bleiben dabei gleich: Um 14 Uhr findet das Spiel um den 3. Platz zwischen Paris Saint-Germain und unserer HSG statt. Das Finale zwischen den Füchsen und Barcelona steigt um 16:30 Uhr. Wir freuen uns sehr darauf!




