Die HSG Nordhorn-Lingen verstärkt sich zur neuen Saison mit Johannes Thiel. Der noch 20-Jährige stammt aus Lingen und ging hier seine ersten Schritte auf dem Handball-Parkett. Nun kommt er von der TSV Hannover-Burgdorf, wo er nicht nur bei den „Jungrecken“ zum Stamm gehört, sondern auch regelmäßig mit den Profis trainiert und spielt.
Geschäftsführer Matthias Stroot zeigt sich froh über die Neuverpflichtung: „Dass wir mit Johannes Thiel einen vielversprechenden jungen Spieler für die HSG gewinnen konnten, der hier vor Ort verwurzelt ist, freut uns sehr. Neben allen sportlichen Qualitäten, die er in Hannover-Burgdorf schon nachgewiesen hat, wissen wir die Identifikation mit unserer Region sehr zu schätzen. Wir hoffen, dass er ein Vorbild für den Handballnachwuchs bei der HSG und im Umkreis werden kann.“
Der 1,95 m große Linkshänder hatte seine emsländische Heimat im Alter von 14 Jahren in Richtung Sportinternat Hannover verlassen und erfolgreich alle Jugendteams der TSV Hannover-Burgdorf durchlaufen. Mit den sogenannten Jungrecken, peilt er aktuell den Wiederaufstieg in die 3. Liga an. Zur Tabellenführung hat er bislang 93 Tore beigetragen, durchschnittlich sechs Treffer pro Partie. Zudem trainiert er mit Handballgrößen wie Renārs Uščins und Justus Fischer, gehört immer wieder zum Profikader und kommt zunehmend auf Spielzeiten im Team des aktuellen Bundesliga-Neunten und Europapokalteilnehmers.
Trainer Mark Bult äußert sich wie folgt zu seinem Neuzugang: „Johannes ist ein junger, talentierter Spieler hier aus der Region. Als er in der letzten Saison mal bei uns mittrainiert hat, haben wir ihn kennengelernt, und er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Von Anfang an war er frech und mutig und hat Vollgas gegeben, was auch einiges über seinen Charakter aussagt. In der U23 von Hannover zeigt er sehr gute Leistungen und macht viele Tore. Klar wird er den Unterschied zur Zweiten Liga merken, wo es schneller und physischer ist. Aber ich bin sicher, dass er sich schnell anpassen und das Niveau erreichen wird, das wir suchen. Ich freue mich sehr, dass er nächste Saison bei uns spielt.“
Über seinen nach gerade absolviertem Medizincheck bevorstehenden Wechsel zur HSG sprachen wir mit dem Mitte Februar 21 Jahre alt werdenden Linkshänder, der gleichermaßen im Rückraum sowie im Innenblock eingesetzt wird.
Hallo Johannes, bei deinen Jungrecken läuft es gerade richtig gut, oder?
„Ja, wir wollen unbedingt hoch und es sieht gut aus. In der letzten Saison, also meinem ersten Jahr als Seniorenspieler, hatte es knapp nicht gereicht. Aber wenn wir jetzt unsere Hausaufgaben machen, ist der Aufstieg absolut realistisch. Wir haben kürzlich das Topspiel gewonnen und sind jetzt Erster vor Großenheidorn. Da lebt übrigens Alex Terwolbeck mit seiner Familie, und beim Hinspiel war er natürlich auch in der Halle. Früher habe ich ihm als kleiner Handballfan bei den HSG-Spielen zugeschaut.“
Wie ging es überhaupt mit dem Handball bei dir los?
„Ich bin relativ spät angefangen, so richtig erst am Ende der Grundschulzeit beim HC Lingen, der dann zur SG Lingen-Lohne wurde. Dort habe ich schon mit Florian Hemeltjen zusammengespielt, teilweise auch mit Fynn Lügering und Luke Stricker, die alle etwas älter sind als ich. Bei den HSG-Spielen in der EmslandArena haben wir dann geholfen und die Halle aufgeräumt. Dafür gab’s dann schon mal Freikarten. Mein Vater ist bei den HSG-Heimspielen übrigens seit vielen Jahren als Ordner im Einsatz, und meine Mutter seit neuestem auch. Beide haben selbst früher Handball gespielt.“
Schon 2019 bist du dann ins Sportinternat nach Hannover gegangen, hast bei den Recken Handball gespielt und das Gymnasium besucht. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?
„Sehr positiv, das passte alles gut zusammen. Mein letztes A-Jugend-Jahr war mein erfolgreichstes – wir sind in der Jugend-Bundesliga erst im Halbfinale knapp an den Rhein-Neckar Löwen gescheitert. Seit gut anderthalb Jahren spiele ich jetzt fest in der Zweiten. Und im letzten Sommer habe ich dann an einer Partnerschule des Sportinternats auch mein Abi gemacht.“
Wie ging es außerhalb des Handballs für dich seitdem weiter?
„Ich wohne jetzt nicht mehr im Internat, sondern in einer richtigen Handballer-WG, zusammen mit einem Mitspieler aus der Zweiten und dem Trainer unserer B-Jugend. Und seit dem Wintersemester studiere ich Nachhaltiges Ingenieurwesen. Das ist das Richtige für mich und macht viel Spaß. Natürlich will ich nach dem Wechsel bei der HSG erstmal richtig ankommen und durchstarten. Aber auf lange Sicht möchte ich das Studium auf jeden Fall fortführen, auch wenn es mit dem Abschluss durch den Handball länger dauern wird.“
Wie sieht denn neben dem Studium aktuell eine Handballwoche bei dir aus?
„Wir trainieren an jedem Wochentag zweimal, Kraft und in der Halle in Burgdorf. Nur Donnerstagnachmittag ist normalerweise frei. Mit Pedro Alvarez haben wir einen guten Coach, der auf die individuelle Entwicklung seiner Spieler setzt. Der Älteste bei uns ist übrigens erst 21, und die allermeisten sind jünger als ich. Am Freitag ist dann das Abschlusstraining mit Video und am Samstag spielen wir. Dazu kommt das Training mit der Ersten. Die Tage variieren, doch ein- bis zweimal die Woche bin ich mit anderen Jungs aus dem Erweiterungskader immer dabei – und auch regelmäßig zur Spielvorbereitung.“
Apropos Erste – erzähl doch mal von deinen Spiel-Erfahrungen mit Renārs Uščins und Co.
„In der Rückrunde 2025 habe ich meine ersten Bundesligaspiele gehabt und im DHB-Pokal Anfang Oktober auch mein erstes Tor bei den Profis geworfen. Zum Kader gehörte ich auch in dieser Saison schon mehrmals, wenn ich auch noch selten zum Einsatz komme. Etwas ganz Besonderes war ein Auswärtsspiel in der EHF-Pokal-Gruppenphase, zu dem wir Anfang Dezember in die Slowakei geflogen sind. In Presov habe ich dann auch zweimal getroffen. Wir jungen Spieler bekommen immer wieder Chancen.“
Wie kam es schließlich zum jetzt bevorstehenden Wechsel in deine Heimat zur HSG Nordhorn-Lingen?
„Kontakte hatte es schon vor einem Jahr gegeben, als ich auch ein paar Tage mittrainiert habe. Im letzten Herbst haben sich die Gespräche mit Matthias Stroot und insbesondere Mark Bult dann intensiviert. Und vor Weihnachten haben wir uns dann nochmal getroffen und alles final besprochen. Ich war ja schon als Kind HSG-Fan und verfolge die Spiele natürlich. Und jetzt freue ich mich, selbst ein Teil der Mannschaft zu werden und vor den Fans auf vollen Rängen zu spielen.“
Lieber Johannes, danke für das Gespräch, weiter von Herzen alles Gute für dich in Hannover und schon jetzt einmal: Herzlich willkommen bei der HSG Nordhorn-Lingen – wir freuen uns auf dich!





