Fast 500 Pflichtspiele im Profibereich, knapp 700 Tore, 14 Jahre im HSG-Trikot und seit 2024 ein Platz auf der „Wall of Fame“: Luca de Boer gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der jüngeren HSG-Geschichte. Der in Schüttorf aufgewachsene Kreisläufer und Innenblocker spielte von 2010 bis 2024 für die HSG Nordhorn-Lingen. Seit seiner Verabschiedung hängt sein Portrait neben denen von Björn Buhrmester, Alex Terwolbeck und Pavel Mickal an der „Wall of Fame“ im Euregium. Anschließend ließ er seine Karriere bei der HSG Varel ausklingen. Nach zwei erfolgreichen Jahren in der 4. und 3. Liga hat der 33-Jährige seine Laufbahn nun beendet. Wir haben mit der HSG-Legende über sein neues Leben in Oldenburg, seine Zeit in Varel und die Verbindung zur alten Heimat gesprochen.
Hallo Luca, wie geht es dir und deiner Familie in Oldenburg?
„Danke, sehr gut. Unser Sohn Oskar ist inzwischen ein Jahr und vier Monate alt, sehr aktiv und hält uns ordentlich auf Trab. Vor ,Mama‘ und ,Papa‘ hat er tatsächlich ,Ball‘ gesagt. Meine Verlobte Vera und ich heiraten Mitte Juli hier in Oldenburg. Gleichzeitig bauen wir für uns gerade ein Haus komplett um – das bedeutet natürlich jede Menge Arbeit. Vera ist angehende Juristin und befindet sich momentan in Elternzeit.“
Wie wird es beruflich für dich weitergehen?
„Meinen Master hatte ich noch zu Nordhorner Zeiten in Münster begonnen. Später bin ich nach Oldenburg gewechselt. Die Fächer Deutsch und Sport sind gleich geblieben, allerdings habe ich vom Lehramt am Gymnasium zum Grundschullehramt gewechselt. Die Arbeit an einer Grundschule hatte ich schon in Münster kennengelernt und sie hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. In Oldenburg wurde mir leider einiges nicht anerkannt, wodurch ich etwas unter Druck geraten bin. Deshalb habe ich richtig Gas gegeben und fünf Mastersemester in drei Semestern absolviert. Seit einem halben Jahr arbeite ich mit einer vollen Vertretungsstelle an einer Grundschule in Delmenhorst. Im August beginne ich dann mein Referendariat in Oldenburg.“
Zum Handball: Nimm uns bitte noch einmal mit in deine Zeit bei der HSG Varel.
„Das waren zwei ganz tolle Jahre. Der Kontakt entstand damals über meinen besten Kumpel Louis, der dort spielt. Der Verein ist super sympathisch, sehr familiär und ich habe den Wechsel keine Sekunde bereut. Wir hatten eine tolle Halle mit oft fast 1.000 Zuschauern. Dass wir direkt im ersten Jahr den Aufstieg in die 3. Liga geschafft haben, war natürlich etwas Besonderes. Dort wurde alles noch einmal professioneller, obwohl bei uns weiterhin jeder Spieler einem normalen Vollzeitjob nachgegangen ist. Wir haben dreimal pro Woche abends trainiert und am Wochenende gespielt. Gleichzeitig trafen wir auf Mannschaften wie Emsdetten oder Hamm, die teilweise als Vollprofis zweimal täglich trainiert haben. Dass wir den Klassenerhalt in dieser Saison bereits drei Spieltage vor Schluss geschafft haben, war deshalb ein Riesenerfolg.“
Mit Varel hast du auch einige alte Kollegen aus Nordhorn wiedergetroffen – wer war dabei?
„Ich habe zum Beispiel gegen Kala gespielt, der inzwischen in Vinnhorst verlängert hat. Nach den Spielen gegen Hamm habe ich mit Ivan (Budalic) und Firni (Lucas Firnhaber) noch ein Bierchen getrunken. Und mein allerletztes Spiel fand dann in Bissendorf statt, wo Levin Zare leider nur verletzt zuschauen konnte. Dort waren auch einige HSG-Fans in der Halle, was für mich etwas ganz Besonderes war. Vorher hatten wir zudem in Großenheidorn gespielt, wo Alex Terwolbeck wohnt – natürlich war er da auch in der Halle. Und gegen Hannover-Burgdorf II habe ich schon gedacht, dass Johannes Thiel einmal ein Spieler für die HSG werden könnte.“
Inzwischen bist du ein echter Oldenburger. Wie oft bist du noch in deiner Grafschafter Heimat?
„Zuletzt leider nicht so häufig, nur alle paar Monate mal. Das lag vor allem am Studium, das ich unbedingt zügig und erfolgreich abschließen wollte. Dazu kamen der Handball in Varel und natürlich die Geburt unseres Sohnes und der Hausumbau.“
Inwieweit hast du deine alte HSG verfolgt und mit wem bist du noch in Kontakt?
„Die HSG habe ich natürlich weiter verfolgt und mir viele Spiele im Livestream angeschaut. Mit Tarek (Marschall) telefoniere ich öfter. Auch mit Björn (Buhrmester), Lasse (Seidel) und Luxi (Maximilian Lux) bin ich in Kontakt. Außerdem mit meinem alten Freund Lutz Heiny – wir sind in Schüttorf in derselben Straße aufgewachsen. Besonders regelmäßig spreche ich mit Alex Terwolbeck. Zwischen uns gibt es ja auch einige Parallelen.“
Seit zwei Jahren hängt dein Portrait auf der ,Wall of Fame‘ im Euregium. Können sich die HSG-Fans darauf freuen, dich künftig wieder häufiger persönlich in der Halle zu sehen?
„Das hoffe ich. Eigentlich wollte ich schon zum letzten Heimspiel kommen, aber genau an dem Wochenende war mein Junggesellenabschied (lacht). Ich werde mir künftig auf jeden Fall wieder häufiger HSG-Spiele live anschauen. Und was die ,Wall of Fame‘ angeht: Ich habe nie besonders viel Wert auf solche Ehrungen gelegt. Aber das ist für mich eine großartige Auszeichnung, auf die ich sehr stolz und für die ich sehr dankbar bin.“
Lieber Luca, vielen Dank für das Gespräch. Für eure Hochzeit, den Hausumbau, den Start ins Referendariat und den neuen Lebensabschnitt wünschen wir dir und deiner Familie alles Gute.





