Fast 1.000 Tore für Österreich, 2.510 Treffer in der Bundesliga – damit rangiert Robert Weber bis heute auf Platz sechs der ewigen HBL-Torschützenliste. Der gebürtige Bregenzer prägte zehn Jahre lang das Spiel des SC Magdeburg, ehe er 2019 zur HSG Nordhorn-Lingen wechselte und ebenfalls zum Publikumsliebling wurde. Hier erlebte der Rechtsaußen zwei Spielzeiten in der Bundesliga und ein Jahr in der 2. Liga, bevor sich die Wege im Sommer 2022 trennten. Seitdem hat der heute 40-Jährige einige weitere spannende Kapitel geschrieben: Stationen in Griechenland, Berlin, der österreichischen Liga und inzwischen in der Schweiz, dazu eine EM in Deutschland und schließlich der Schritt in einen neuen Beruf. Wir haben mit Robert Weber gesprochen.
Hallo Robert, wir telefonieren am bisher heißesten Tag des Jahres. Wie ist das Wetter am Bodensee?
„Wir haben hier auch 34 Grad im Schatten. Aber ich sitze im Homeoffice und kann es einigermaßen aushalten.“
Bevor wir auf deine neue Tätigkeit zu sprechen kommen, schauen wir zunächst zurück. Nach deinem Abschied von der HSG ging es mit Frau und Sohn zu Olympiakos Piräus nach Athen. Wie blickst du auf dieses halbe Jahr zurück?
„Es war eine unglaublich schöne Erfahrung, und wir waren mit dem Team auch sehr erfolgreich. Doch so schön das Mittelmeer direkt vor der Haustür auch gewesen ist – für die Familie war vieles umständlich. Gerade für unseren Sohn – damals neun Jahre alt – war das mit der Schule nicht ganz einfach.“
Anfang 2023 kam dann das Angebot von Stefan Kretzschmar und den Füchsen Berlin.
„Ja, das war schon lässig, noch einmal so eine Möglichkeit zu bekommen. Ich durfte den verletzten Hans Lindberg vertreten und wir haben eine richtig erfolgreiche Rückrunde gespielt. Auch Hans war am Ende wieder dabei. Wir haben uns bei Auswärtsspielen ein Zimmer geteilt und am Ende sogar gemeinsam die European League gewonnen.“
Als es in Berlin nicht weiterging, bist du nach Bärnbach/Köflach in die österreichische Liga gewechselt – mehr als sieben Stunden von deiner Heimat am Bodensee entfernt. Warum?
„Ich hatte den Traum, noch einmal mit Österreich bei der EM zu spielen. Dafür war dieses Engagement genau das Richtige. Zunächst war ich nur Spieler. Als der Trainer freigestellt wurde, habe ich diesen Posten ab November zusätzlich übernommen. Am Ende haben wir den Klassenerhalt geschafft. Dort hat übrigens auch Anton Prakapenja gespielt, den ich noch aus Nordhorn kannte. Er lebt immer noch dort und wir sind bis heute regelmäßig in Kontakt.“
Mit der EM 2024 in Deutschland hat es dann tatsächlich geklappt. Du wurdest sogar ins All-Star-Team gewählt.
„Ja, das war natürlich etwas ganz Besonderes. Auch Deutschland hätten wir in der Hauptrunde schlagen müssen, am Ende wurde es ein Unentschieden. Wir waren auf einer riesigen Euphoriewelle und mit dem Turnier insgesamt sehr glücklich. Und dass ich dann noch ins All-Star-Team gewählt wurde, war eine tolle Überraschung.“
Im Sommer 2024 ging es zurück in deine Heimat nach Vorarlberg. Seitdem spielst du „semi-professionell“ im benachbarten St. Gallen in der Schweiz. Wie kam es dazu?
„Ich hatte den Entschluss gefasst, beruflich etwas Neues zu machen und in Vorarlberg zur Polizeischule zu gehen. Dann ergab sich das mit St. Gallen eher zufällig. Ein ehemaliger Schulkollege von mir war dort Trainer und fragte, ob ich Lust hätte zu helfen. Das passte perfekt, weil der Verein nur etwa eine halbe Stunde von unserem Wohnort entfernt ist.“
Parallel zur Polizeischule hast du in St. Gallen erst für Fides in der zweiten Liga gespielt, dann für St. Otmar in der ersten Liga und anschließend wieder für Fides.
„Fides ist eine Art Farmteam von St. Otmar. Diese Zusammenarbeit ist in der Schweiz durchaus üblich. Als St. Otmar im Abstiegskampf steckte, kamen sie auf mich zu und ich wurde quasi ausgeliehen. Am Ende haben beide Mannschaften ihre Ziele erreicht. In der vergangenen Saison war ich wieder für Fides aktiv, wir haben einen sicheren Mittelfeldplatz erreicht und ich konnte mit meinen Toren meinen Teil dazu beitragen. Dort spiele ich übrigens auch im Rückraum – Mitte oder rechts – wie ich es ursprünglich einmal gelernt hatte. Und nach jetzigem Stand geht es auch in der kommenden Saison so weiter.“
Bei der Polizei bist du inzwischen allerdings nicht mehr. Wer dir in den sozialen Medien folgt, sieht, dass du inzwischen als Journalist arbeitest. Wie kam es dazu?
„Nach insgesamt anderthalb Jahren Polizeischule und Praxisphase habe ich gemerkt, dass das auf Dauer doch nicht das Richtige für mich ist. Die Zeit war aber nicht umsonst, denn ich habe unglaublich viel gelernt. Gleichzeitig haben mich Medien schon immer interessiert. Seit März arbeite ich nun bei Russmedia und schreibe für die Vorarlberger Nachrichten sowie deren Online-Auftritt.“
Schreibst du über Sport?
„Nein, eigentlich kaum. Gerade habe ich ein Interview mit einer Tierärztin über die aktuelle Hitzewelle geführt und schreibe gleich den Artikel dazu. Besonders spannend finde ich zum Beispiel Gerichtsreportagen. Das macht mir richtig viel Spaß.“
Lass uns noch kurz über deine Familie sprechen. Deine Frau Lisa und dein Sohn Lio waren ja auch in Nordhorn immer dabei.
„Das sind sie natürlich auch heute noch. Meine Frau kenne ich bereits aus unserer gemeinsamen Zeit am Sportgymnasium. Sie fährt mit unserem Sohn, der bald 13 wird, sogar heute noch einmal im Jahr nach Nordhorn. Lio spielt natürlich auch Handball und gehört inzwischen zur Landesauswahl. Im Gegensatz zu mir ist er allerdings Rechtshänder.“
Du hast Nordhorn gerade selbst erwähnt. Wie denkst du an deine Zeit bei der HSG zurück?
„Es war sehr, sehr schön. Trotz der turbulenten Corona-Zeit haben wir uns dort unglaublich wohlgefühlt und wären damals auch gern geblieben. Unser Sohn ist zwar in Magdeburg geboren, aber in Nordhorn eingeschult worden. Wir verbinden mit der Zeit viele positive Erinnerungen und haben bis heute gute Kontakte.“
Und was fällt dir ein, wenn du an die HSG-Fans denkst?
„Die Fans waren überragend. Solange Zuschauer zugelassen waren, haben sie uns in der Bundesliga trotz der schwierigen Saison großartig unterstützt. Das war einfach Bombe. Und auch später habe ich sowohl im Euregium als auch in der Lingener Arena immer sehr gern gespielt.“
Robert, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir privat, beruflich und sportlich weiterhin alles Gute.





