Was macht eigentlich Sander Visser?

Was macht eigentlich Sander Visser?

Fünf Jahre lang gehörte Sander Visser zum Kader der HSG Nordhorn-Lingen. Der Niederländer wechselte 2020 aus seiner Heimat zur HSG und teilte sich die Rechtsaußenposition hier mit Robert Weber, Julian Ranftl, Samuel Lindberg und zuletzt Maximilian Lux. Mit der Rückennummer 23 eroberte er sich schnell einen festen Platz in den Herzen der HSG-Fans. Der heute 27-Jährige, der auch neun Länderspiele bestritt, erzielte für die Rot-Weißen in der 1. und 2. Bundesliga insgesamt 75 Tore – sein letztes Ende Februar 2025 bei einem Heimsieg gegen den TV Hüttenberg.

Dass es nicht deutlich mehr Tore wurden, lag vor allem an zwei längeren Zwangspausen. Nach gutem Saisonstart erlitt Sander im Herbst 2022 mit einem Kreuzbandriss die erste schwere Verletzung seiner Karriere und kämpfte sich nach langer Reha zurück. In seiner letzten Saison bremste ihn eine hartnäckige Schulterverletzung auf der linken Wurfarmseite erneut aus. Parallel zum Handball arbeitete er während seiner Zeit bei der HSG an einer Ausbildung zum Physiotherapeuten und studiert seit drei Jahren Sportökonomie an der Johan Cruyff Academy. Wir haben mit Sander Visser auf seine Zeit bei der HSG zurück- und auch nach vorn geblickt.

Hallo Sander, sprichst du eigentlich noch Deutsch?

Ja, ich spreche jetzt natürlich viel weniger Deutsch als früher, aber das ist überhaupt kein Problem.

Lass uns erst noch einmal zurückblicken. Zwei Verletzungen haben dich in deiner Zeit bei der HSG lange ausgebremst.

Ja, im Oktober 2022 habe ich mir bei einem Eins-gegen-eins im Training das Kreuzband im linken Knie gerissen. Operiert wurde ich damals von unserem Mannschaftsarzt Dr. Domnick. Im Sommer 2024 hatte ich dann im Training wieder Pech. Bei einem Zweikampf habe ich mir das Labrum in der linken Schulter gerissen, außerdem war die Bizepssehne betroffen. An der Schulter bin ich deshalb zweimal operiert worden.

Wie geht es deiner Schulter heute? Hast du noch Beschwerden?

Ich trainiere die Schulter regelmäßig. Es fehlt noch an Kraft und Stabilität, außerdem ist die Beweglichkeit noch nicht wieder perfekt. Ich gehe zur Physiotherapie und vier- bis fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio. Ich hoffe natürlich, dass bald wieder alles so funktioniert, wie es soll.

Während deiner Zeit bei der HSG hast du eine Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen. Inzwischen studierst du Sportökonomie und möchtest später im Sportmarketing arbeiten.

Genau. Ich studiere jetzt seit gut drei Jahren online an der Johan Cruyff Academy. Das ist eine Hochschule für Sportmanagement und -marketing, die speziell auf Sportler ausgerichtet ist. Patrick Miedema hat dort ebenfalls studiert und mir auch dazu geraten. Wir haben bis heute einen sehr guten Kontakt, er ist für mich ein bisschen wie ein großer Bruder. Aktuell beginne ich mit meiner Bachelorarbeit, die ich gemeinsam mit dem FC Groningen schreiben möchte. Anfang nächsten Jahres will ich dann mein Studium abschließen und gerne im Sportmarketing arbeiten.

Wo lebst du heute mit deiner Freundin?

Wir wohnen zusammen mit unserem Hund Franky in Oosterhesselen. Das liegt etwa 15 Minuten von Emmen entfernt, wo zum Beispiel auch Patrick wohnt. In Oosterhesselen haben wir ein kleines Haus gekauft und praktisch komplett renoviert. Jessica und ich sind seit über acht Jahren zusammen und sie arbeitet für die Gemeinde Coevorden. Aber wir fahren auch heute noch regelmäßig über die Grenze nach Emlichheim – zum Einkaufen oder Tanken (lacht).

Verfolgst du die Spiele der HSG noch? Und wann sieht man dich mal wieder in der Halle?

Das letzte Mal war ich in Nordhorn, als Dr. Domnick sich nochmal meine Schulter angeschaut hat. Mit einigen Spielern bin ich weiterhin in Kontakt, mit Elmar schreibe ich zum Beispiel öfter. Am Anfang habe ich mir auch noch jedes Spiel im Livestream angesehen. Inzwischen ist das zwar etwas weniger geworden, aber ich lese weiter alles über die HSG. Ich schaue zum Beispiel immer, wie viele Tore Tarek wieder geworfen hat (lacht). Man ist zwar weg von der HSG, aber irgendwie auch nicht ganz. Mittlerweile sind ja auch wieder einige Spieler gegangen, mit denen ich noch zusammengespielt habe. Das ist natürlich schade, aber so ist das im Sport eben. Ich möchte auf jeden Fall in der kommenden Saison wieder einmal in die Halle kommen – vielleicht klappt es ja schon beim HSG Premium Cup.

Du hast es gerade angesprochen: Einige Spieler haben den Verein verlassen, andere sind neu dazugekommen. Kennst du den neuen Spielmacher Emiel Hoogland?

Ja, natürlich. Emiel ist ein richtig guter Spieler – nicht nur handballerisch, sondern auch vom Kopf her. Er hat unglaublich viel Lust auf Handball und trainiert auch an freien Tagen seine Fitness. Ich glaube, die HSG kann sich auf ihn freuen.

Kannst du dir vorstellen, selbst im Handball nochmal anzugreifen?

Das würde ich sehr gerne, aber meine Schulter ist noch nicht da, wo sie sein soll. Erst wenn sie wieder vollständig belastbar ist, macht das Sinn. Handball war für mich nie Arbeit, und auch viel mehr als nur ein Hobby. Deshalb hoffe ich sehr, dass ich irgendwann wieder auf die Platte zurückkommen kann.

Viele HSG-Fans erinnern sich noch an dein Comeback nach dem Kreuzbandriss. Du kommst aufs Feld, wirfst direkt ein Tor, „Thunderstruck“ läuft durchs Euregium und die Halle steht Kopf. Was geht dir in so einem Augenblick durch den Kopf?

(lacht) Das sind tolle Momente. Das Publikum bei der HSG ist etwas Besonderes und jeder in der Liga weiß, dass die HSG geile Fans hat. Sie unterstützen die Mannschaft nicht nur während der Spiele, sondern sind auch sehr freundlich und respektvoll. Und wenn du ein Tor wirfst und alle jubeln, ist das wie eine Droge, wie ein Rausch. Das vermisse ich fast am meisten.

Lieber Sander, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir für deine Gesundheit, dein Studium und privat alles Gute und würden uns sehr freuen, dich bald wieder einmal im Euregium oder in der EmslandArena begrüßen zu dürfen.

Weitere News

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.