Bereits 2009 begann für die HSG Nordhorn-Lingen und den niederländischen Nationalspieler Toon Leenders eine lange gemeinsame Erfolgsgeschichte. Der 2,02 Meter große Kreisläufer und Innenblocker absolvierte 102 Länderspiele und kam mit zwei zweijährigen Unterbrechungen bei TuSEM Essen und Bevo HC auf weit über 300 Pflichtspiele für die HSG. Toon feierte 2019 den Bundesligaaufstieg mit und beendete seine Zeit im rot-weißen Trikot zwei Jahre später. Doch damit war seine Handballkarriere noch nicht beendet: Über ein überraschendes Comeback, sein heutiges Leben und den Blick auf „seine“ HSG spricht der 40-Jährige im Interview.
Hallo Toon, erinnerst du dich an dein letztes Spiel und dein letztes Tor für die HSG?
Ja, natürlich, das weiß ich noch genau. Das war am letzten Spieltag 2021 gegen Erlangen. Wir haben mit einem Tor verloren, und ich habe das letzte HSG-Tor erzielt.
Genau, der damals 20-jährige Tarek Marschall warf seinerzeit sechs Tore für Erlangen. Aber zurück zu dir: Am Ende der folgenden Zweitligasaison standest du sogar noch zweimal im Aufgebot, als die HSG Probleme hatte.
Ja, die HSG hatte damals personelle Engpässe. Eigentlich war ich nur fürs Training vorgesehen. Aber nachdem ich ein paarmal mittrainiert hatte, stand ich sogar noch zweimal im Kader – bei einem Heimspiel und anschließend auswärts bei den Rimpar Wölfen. Ich erinnere mich noch gut an die Rückfahrt. Es war April, trotzdem hat es geschneit, und wir waren ewig unterwegs. Mit meiner Hüfte ging es damals gerade noch.
War deine Hüfte letztlich der entscheidende Grund für das Ende deiner Karriere bei der HSG?
Ja, vor allem mit meiner linken Hüfte hatte ich schon länger große Probleme. Sie hat Schmerzen verursacht und mich in meiner Beweglichkeit stark eingeschränkt. Die Lust, weiter Handball zu spielen, war auf jeden Fall noch da, aber irgendwann ging es körperlich einfach nicht mehr.
Wie kam es dann 2024 zu deinem überraschenden Comeback beim TV Emsdetten?
Ich hatte mich inzwischen endlich operieren lassen, und mit der neuen Hüfte ging es mir tatsächlich schlagartig besser. Ich konnte wieder richtig Sport machen, laufen und Krafttraining absolvieren. Dann kam im Frühjahr 2024 die Anfrage aus Emsdetten. Dort gab es viele Verletzte, unter anderem hatten sie nur noch einen Kreisläufer. Sie haben gefragt, ob ich mir vorstellen könnte auszuhelfen.
Und das konntest du.
Ja. Ich hatte fast drei Jahre nicht mehr richtig Handball gespielt. Aber es ist einfach so ein geiler Sport, und das Angebot hat mich gereizt. Ich habe mittrainiert und hatte überhaupt nicht das Gefühl, drei Jahre raus gewesen zu sein – eher drei Wochen. Deshalb habe ich den Rest der Rückrunde und auch die Aufstiegsrunde mitgespielt. Auch wenn es mit dem Aufstieg damals noch nicht geklappt hat – es hat richtig viel Spaß gemacht.
Nach der Saison war im Sommer 2024 aber immer noch nicht endgültig Schluss.
Genau. Zu Beginn der Saison 2024/25 hat sich der neue Kreisläufer in Emsdetten die Schulter ausgekugelt, und ich habe noch einmal zugesagt. Allerdings hatte ich ja einen Vollzeitjob und nicht zuletzt eine junge Familie. Viel mehr als einmal pro Woche zu trainieren, war kaum möglich. Gleichzeitig kamen bei Emsdetten weitere Verletzungen dazu – zeitweise haben mehr als zehn Spieler gefehlt. Deshalb war ich von Saisonbeginn bis März 2025 fast durchgehend dabei, ehe nach und nach alle zurückgekommen sind. Übrigens habe ich dort auch mit Mark Kubes zusammengespielt, dem Sohn von Daniel Kubes. Er spielt im linken Rückraum.
Fast vier Jahre nach deinem letzten HSG-Spiel war dann Schluss. Wie blickst du auf deine Zeit beim Rivalen TV Emsdetten zurück?
Vorher kannte ich Emsdetten eigentlich nur als Gegner und Rivalen. Im Herzen bleibe ich immer mehr bei der HSG, aber den TV Emsdetten habe ich ebenfalls sehr schätzen gelernt. Das ist ein sehr sympathischer Verein mit großem Rückhalt in der Region und einer tollen Fangemeinde. Ich habe mich deshalb auch sehr über den Aufstieg gefreut. Und dass es jetzt wieder zwei Derbys gibt, ist gut für den Handball in unserer Region.
Eben hast du deinen Vollzeitjob schon angesprochen. Was machst du heute beruflich?
Ich komme ja ursprünglich aus der Landwirtschaft und arbeite seit fünf Jahren für das niederländische Unternehmen K.I. Kampen in der Rinderzucht. Dabei geht es um Besamungen und Zuchtberatung. Ich bin im Vertrieb in ganz Norddeutschland unterwegs, betreue viele landwirtschaftliche Betriebe und kümmere mich außerdem um viele organisatorische Aufgaben.
Du sprichst also weiterhin deutlich mehr Deutsch als Niederländisch?
Ja, auf jeden Fall. Meine Frau Anna kommt aus Nordhorn, wir haben in Stadtflur ein Haus gekauft und wohnen deshalb weiterhin hier. Auch unsere Kinder sprechen hauptsächlich Deutsch. Unsere älteste Tochter Lotta ist fast neun Jahre alt, unser Sohn Jakob ist sechs und kommt jetzt zur Schule, und die Jüngste, Tilda, ist vier.
Tritt eines deiner Kinder in deine handballerischen Fußstapfen?
Unser Sohn spielt inzwischen in der F-Jugend der HSG. Gemeinsam mit Torben Koning trainiere ich die Mannschaft. Jakob ist Linkshänder und hat auf jeden Fall viel Spaß am Handball.
Die HSG-Fans sehen dich auch heute noch regelmäßig in der Halle.
Ja, ich habe in der vergangenen Saison ungefähr zehn Spiele live gesehen, meistens in Nordhorn, aber auch in Lingen. Viele Partien schaue ich mir auch im Livestream an.
Du hast mit der HSG selbst auch Zeiten erlebt, die nicht so einfach waren.
Das stimmt. Dabei war es für mich damals ein Glücksfall, dass die HSG 2009 absteigen musste und fast die komplette Mannschaft den Verein verlassen hat. Über Nicky Verjans, den ich aus der Nationalmannschaft kannte, kam der Kontakt zur HSG zustande, die viele neue Spieler suchte. Ich konnte durchstarten, aber auch danach mussten wir schwierige Situationen überstehen. Deshalb weiß ich, dass es mit dem Erfolg nicht von allein geht.
Vielen Dank für das Gespräch – und bis bald wieder in der Halle!




