Ein Wochenende voller großartigem Handballsport liegt hinter uns. Begeisterte Zuschauer im Euregium und Weltklassehandballer, die nicht nur professionell und motiviert auftraten, sondern sich auch absolut nahbar und sympathisch zeigten. Zum Erfolg der dritten Auflage des HSG Premium Cups trug zweifellos auch das Team unserer HSG bei, das in schwierigen Zeiten eine Performance bot, die aller Ehren wert ist. Sowohl gegen den FC Barcelona als auch gegen Paris Saint-Germain (38:44 im Spiel um Platz 3) machte die Mannschaft von Mark Bult beste Werbung für den Handballsport – und für sich selbst.
Schrecksekunde und rot-weiße Aufholjagd
Im kleinen Finale, das bei angenehmeren Temperaturen als am Vortag stattfand, trafen die jeweils mit drei Toren Rückstand unterlegenen Teams von Paris Saint-Germain und der HSG Nordhorn-Lingen aufeinander. War der französische Serienmeister von den Füchsen Berlin unter Wert geschlagen worden? Hatten Tarek Marschall und Co. bei ihrer bravourösen Leistung gegen Barcelona zu viele Körner gelassen? Die Antworten sollten nicht lange auf sich warten lassen.
PSG drückte von Beginn an aufs Tempo und übernahm direkt die Führung. Die HSG hatte zunächst Mühe mit der anfänglichen 5:1-Deckung der Franzosen, konterte aber – allen voran Linksaußen Ruddat, der zum zwischenzeitlichen 7:8 bereits vier Treffer beigesteuert hatte. Dann der Schock: Bei einem Angriffsversuch kam unser neuer rechter Rückraumspieler Max Horner unglücklich zu Fall und musste verletzt vom Feld getragen werden (7.) – gute Besserung!
Angeführt vom norwegischen Nationalspieler Simen Lyse im linken Rückraum, zog Paris beim 10:15 erstmals auf fünf Tore davon. Nach einer Auszeit (16.) verkürzte die HSG jedoch auf 13:16 – und wenig später gar auf 15:16. Die rot-weißen Fans bejubelten weiterhin jede gelungene Aktion, darunter spektakuläre Tore wie von Ian Hüter oder zwei abgewehrte Siebenmeter von Luca Tschentscher. Die von Elmar Erlingsson dirigierte HSG hielt Schritt und glich durch den aufdrehenden Kapitän Marschall erstmals aus: 18:18 (22.). Beim Stand von 21:21 ergab sich für die früh im Sieben-gegen-Sechs agierende HSG sogar die Chance zur Führung: Erlingsson traf und das Euregium stand vollends Kopf (25.). Bis zum Pausenpfiff gelang es dem Favoriten jedoch, die Partie wieder zu drehen – zur Halbzeit hieß es 22:24. Wie schon am Vortag wurde den Zuschauern ein wahres Spektakel geboten.
Spielfreude gegen die Weltauswahl
Auch die zweite Hälfte begann besser für PSG: Ein die Halbzeit übergreifender 5:0-Lauf stellte das Ergebnis auf 22:26 und beim 24:29 lag Paris erneut mit fünf Toren vorne (36.). Besonders der erfahrene polnische Kreisläufer Kamil Syprzak zeigte in dieser Phase seine Klasse. Das galt allerdings auch für dessen Landsmann, den ins HSG-Gehäuse gerückten Kacper Ligarzewski, der Prandi und Co. einige Bälle abkaufte. Dann betätigte Mark Bult beim 26:32 den Time-Out-Buzzer, um taktisch nachzujustieren (40.).
Dankbar quittierten die Fans den nimmermüden Einsatz und die Spielfreude des Gastgeberteams gegen die kaum nachlassende Weltauswahl aus Paris, deren Kombinationen und Wucht oft schlichtweg nicht zu verteidigen waren. Gleichwohl: Als PSG-Coach Madsen zur Auszeit bat, war die HSG wieder dran – nach dem siebten Treffer von Tarek Marschall hieß es 34:36 (49.). Dass die Rot-Weißen im neuen Heimtrikot nach fast 120 kräftezehrenden Minuten innerhalb von 24 Stunden der Schlusssirene entgegenfieberten, war jedoch spürbar – letztes Time-Out fünf Minuten vor Schluss (37:42).
Linksaußen Lasse Lingers gelang noch ein gefeierter Treffer, doch das letzte Wort hatte der Gast aus Frankreich: Der Endstand lautete 38:44. Die erfolgreichsten Torschützen bei der HSG waren Marschall und Ruddat (je 9 Treffer); bei PSG trafen der spanische Rechtsaußen Ferrán Solé (8) sowie die Rückraumspieler Yahia Omar und Simen Lyse (je 6) am häufigsten. Gratulation an unser Team für zwei Top-Leistungen gegen Barcelona und Paris – und auch der Gast aus Frankreich hatte sich den anschließenden Applaus für den 3. Platz redlich verdient.
Neuauflage des Königsklassen-Finals
Vor zwei Monaten hatten sich die Füchse Berlin und der FC Barcelona zuletzt gegenübergestanden – im Champions-League-Finale siegten die Katalanen mit 37:34. Von einem „Abtasten“ konnte auch in diesem letzten Spiel des HSG Premium Cups keine Rede sein, denn es ging von Beginn an hochtourig zur Sache. Als es 9:6 für Barça hieß, hatten die beiden Topstars, Mathias Gidsel und Dika Mem, bereits jeweils dreimal getroffen (11.). Letzterer wird in einem Jahr die Seiten wechseln und die Füchse verstärken. Doch hier legte sein aktuelles Team vor – Auszeit durch Füchse-Coach Krickau beim Stand von 8:13 (15.). Nebenbei bemerkt: In der Saison 2023/24 hatte der Däne noch gemeinsam mit Mark Bult bei der SG Flensburg-Handewitt gearbeitet.
Der deutsche Vizemeister attackierte nun im Sieben-gegen-Sechs, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg: Barcelona nutzte die Fehler der Füchse konsequent aus und zog weiter davon. Die Folge war bereits das nächste Time-Out beim Stand von 12:20 (23.). Das Team, das seit 2011 ununterbrochen die spanische Meisterschaft gewonnen hat, befindet sich erst seit einer Woche im Training – ein Handicap schien dies allerdings nicht zu sein: Halbzeitstand 17:24. Gidsel hatte bis dahin sechs Treffer erzielt, doch Barça lag dank zwölf verschiedener Torschützen deutlich vorne.
Barça bringt den Vorsprung ins Ziel
Ein äußerst unterhaltsames Handballspiel bekamen die Zuschauer, von denen wieder viele im grün-weißen Trikot erschienen waren, auch nach dem Wechsel zu sehen – wobei sich manche vielleicht noch etwas mehr Spannung gewünscht hätten. Doch Barcelona hielt die Konzentration hoch und den Abstand zunächst konstant: 21:28 (39.). 54 Tore waren beim Zwischenresultat von 24:30 bereits erreicht – im Vorjahr waren genau so viele Treffer nach 60 Minuten gefallen, als der Endstand 27:27 lautete und Barça im Siebenmeterwerfen gewann.
Als die Katalanen sich in Unterzahl befanden und die Referees abermals gegen sein Team entschieden, erhielt Carlos Ortega wie am Vortag die Gelbe Karte wegen Reklamierens. Die Füchse verkürzten auf vier Tore Rückstand und der spanische Trainer rief zur Auszeit (45.). Kurz darauf ging Petar Cikusa zu Boden, was ebenfalls nicht zur Beruhigung beitrug. Den Zuschauern war es recht: Die Partie nahm noch einmal an Fahrt auf – auch weil die Füchse in der Lage waren, einen weiteren Zahn zuzulegen.
Der isländische Keeper Hallgrímsson verhinderte das mögliche Minus-2, und als die viel zitierte Crunchtime begann, stand es 30:34 (51.). Doch in dieser ließ die sehr homogen auftretende Barça-Sieben die Füchse nicht mehr herankommen und brachte den Sieg über die Ziellinie. Der Endstand lautete 35:39 – die erfolgreichsten Werfer hießen Mathias Gidsel (14) und Tobias Grøndahl (7/3) bei Berlin, während Barcelona in Fàbregas, N’Guessan, Mem und Linksaußen Fernández seine treffsichersten Schützen hatte (je 4).
Mit der feierlichen Siegerehrung endete der dritte HSG Premium Cup. Geschäftsführer Michael Jonker übergab die Pokale. Danke an das GRANDSLAM-Orga-Team um René Cloo sowie einmal mehr an alle fleißigen Helferinnen und Helfer unserer HSG für ihre unermüdliche und wertvolle Arbeit!




