Nach dem erfolgreichen Saisonstart in Essen steht für die HSG Nordhorn-Lingen am Samstag um 18 Uhr das erste Heimspiel der neuen Zweitligasaison an. In der EmslandArena ist der Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen zu Gast – und mit ihm könnten zwei alte Bekannte in Lingen auf die HSG treffen. Lucas Firnhaber wird erstmals im Trikot des ASV an seine ehemalige Wirkungsstätte zurückkehren, auch Torwart Ivan Budalic könnte nach einer Verletzung wieder zum Hammer Kader gehören. Mit einem der beiden haben wir vor dem Wiedersehen gesprochen.
Mit Rückenwind ins erste Heimspiel
Der HSG ist der Start in die Zweitligasaison 2026/27 bestens gelungen. Mit dem 32:29-Auswärtssieg bei TuSEM Essen hat die Mannschaft von Trainer Mark Bult gleich die ersten beiden Punkte eingefahren und damit zwei Zähler von ihrem Sechs-Punkte-Abzug aufgeholt, den die HBL dem Team auferlegt hat. Doch nicht nur das Ergebnis macht Mut. Vor allem die Geschlossenheit und die Ruhe, mit der die Mannschaft auch in schwierigen Phasen auftrat, stimmen die HSG-Fans zuversichtlich. Auch als Essen in der zweiten Halbzeit noch einmal näherkam und das Spiel zu kippen drohte, blieb die HSG bei ihrem Plan und brachte den Sieg nach Hause.
Am Samstag kommt es zum Duell mit dem ASV Hamm-Westfalen – einem Aufsteiger, der mit einem deutlichen Dämpfer in die neue Spielzeit gestartet ist. Für die HSG ist das allerdings kein Grund, den Gegner zu unterschätzen.
Ein Aufsteiger mit viel Qualität
Der ASV hat eine bewegte Zeit hinter sich. Noch in der Saison 2022/23 spielte Hamm in der 1. Bundesliga, ehe der Verein in der äußerst engen Spielzeit 2024/25 überraschend den Gang in die 3. Liga antreten musste. Mehr als zehn Spieler verließen den Verein, darunter auch der langjährige Dormagener Ian Hüter, der seitdem das rot-weiße Trikot der HSG trägt.
Doch Hamm korrigierte diesen Betriebsunfall umgehend. In der vergangenen Saison belegte der ASV in der 3. Liga Nordwest hinter dem souveränen Meister Emsdetten und knapp vor Vinnhorst den zweiten Platz und sicherte sich damit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde – und am Ende gelang die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Entsprechend groß war die Euphorie rund um den Verein. Anfang August vermeldete der ASV sogar einen Dauerkartenrekord. Die Vorbereitung verlief allerdings nicht reibungslos. So musste z. B. ein Testspiel gegen Ferndorf Mitte August aus personellen Gründen abgesagt werden.
Im DHB-Pokal zeigte Hamm gegen Dessau trotz der 28:32-Niederlage bereits gute Ansätze und führte zwischenzeitlich sogar mit fünf Toren. Doch zum Zweitligaauftakt folgte dann ein herber Rückschlag: Im Heimspiel gegen den letztjährigen Tabellenfünften und Derbyrivalen VfL Eintracht Hagen unterlag der ASV mit 23:41.
„Wir wissen, was in Lingen auf uns zukommt“
Einer, der sich das sicherlich anders vorgestellt hatte, ist Lucas Firnhaber. Der zwei Meter große Linkshänder wechselte im Sommer 2025 nach Hamm, nachdem er zuvor von 2022 bis 2025 für die HSG aufgelaufen war. In Nordhorn und Lingen hat der 29-Jährige viele Sympathien gesammelt – und zahlreiche Freunde zurückgelassen. Seine Zeit bei der HSG war allerdings von zwei schweren Verletzungen überschattet. Inzwischen ist Firnhaber vollständig fit. Seit Mitte März ist er beim ASV wieder voll dabei, seine Einsatzzeiten wurden nach und nach gesteigert. Inzwischen gehört Firnhaber zu den Leistungsträgern der Mannschaft und blickt dem Wiedersehen mit seinem ehemaligen Klub mit Spannung entgegen.
„Es ist kein Spiel wie jedes andere, sondern schon etwas Besonderes. Ich freue mich auf jeden Fall darauf“, sagt Firnhaber. Vor allem das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Mitspielern Tarek Marschall, Elias Ruddat und vor allem Maximilian Lux liegt ihm am Herzen. Mit Lux verbindet ihn eine gute Freundschaft. Die beiden waren in Nordhorn sogar Nachbarn und verbrachten nicht selten gemeinsam Zeit, um z. B. Handball zu schauen. Darüber hinaus wird Firnhaber auch Trainer Mark Bult, Co-Trainer Frank Schumann und weitere Bekannte aus dem HSG-Umfeld wiedersehen.
Die Entwicklung der HSG in den vergangenen Monaten hat er natürlich aufmerksam verfolgt – mit einem „weinenden Auge“, wie er sagt. Für ihn ist die HSG ein Klub, der in die 2. Bundesliga gehört. Entsprechend habe er die Daumen gedrückt, dass es weitergeht. Dass sich die Situation inzwischen offenbar zum Positiven entwickelt hat, freut ihn sehr. Zuletzt war Firnhaber beim Premium-Cup in Nordhorn zu Gast und sah u. a. das beeindruckende HSG-Spiel gegen den FC Barcelona. Auch den Auftakt der HSG in Essen verfolgte er am Sonntagabend. Seine Botschaft vor dem Wiedersehen ist eindeutig: „Wir wissen, was in Lingen auf uns zukommt.“
„Das macht es extrem gefährlich“
Auch Maximilian Lux fiebert dem Spiel gegen die Mannschaft seines Kumpels und ehemaligen Nachbarn entgegen. Für ihn ist die deutliche Niederlage des ASV gegen Hagen keineswegs ein Grund, die Partie auf die leichte Schulter zu nehmen. „Das macht es extrem gefährlich. Die wissen, dass sie etwas ändern müssen“, sagt der HSG-Rechtsaußen. Überhaupt habe der ASV mit der Mannschaft aus der Saison 2024/25 nicht mehr viel gemeinsam. Die HSG werde den Aufsteiger deshalb sehr ernst nehmen. Dass Hamm über Qualität verfügt, zeigte sich schließlich bereits im Pokalspiel gegen Dessau.
Lux blickt gleichzeitig zufrieden auf den eigenen Auftritt in Essen zurück. Besonders die Abwehr in Kombination mit der Torwartleistung hebt er hervor. Vor allem aber habe das Team „sein Herz auf der Platte gelassen“ und die Spieler seien füreinander eingestanden. Auch als Essen in der zweiten Halbzeit wieder näherkam und die Partie zu kippen drohte, blieb die HSG bei ihrem Plan. „Wir haben weiter unser Zeug gemacht“, beschreibt Lux die Haltung und die Bereitschaft der Mannschaft.
Jetzt ist die Arena gefragt
Auch am Samstag wird es auf Konzentration, Leidenschaft und Zusammenhalt ankommen. Denn auch wenn Hamm mit einer 18-Tore-Niederlage im Gepäck nach Lingen kommt, wird der Aufsteiger alles daransetzen, eine Reaktion zu zeigen. Torwart Ivan Budalic, der von 2023 bis 2025 für die HSG spielte, fehlte in den ersten beiden Pflichtspielen verletzungsbedingt, könnte in Lingen aber wieder eine Option sein. Der ASV verfügt über eine junge Mannschaft, in der Firnhaber mit seinen 29 Jahren bereits zu den erfahrenen Spielern gehört. Kapitän ist das Hammer Urgestein Fabian Huesmann, der auf Linksaußen spielt. Zu den wenigen Spielern, die sowohl den Abstieg als auch den direkten Wiederaufstieg miterlebt haben, zählt auch Andreas Bornemann, der sich mit Lucas Firnhaber die Position im rechten Rückraum teilt.
Für die HSG gilt: Nach dem starken Auftakt in Essen soll nun auch vor heimischer Kulisse gepunktet werden. Der ASV Hamm-Westfalen wird dabei von einem Fanbus nach Lingen begleitet. Für Stimmung in der EmslandArena ist also gesorgt – und die HSG-Fans werden sicherlich lautstark dagegenhalten. Wer nicht in der Arena dabei sein kann, kann die Partie ab 17:45 Uhr live bei Dyn verfolgen.





