HSG feiert am Ende souveränen Heimsieg gegen Hamm

HSG feiert am Ende souveränen Heimsieg gegen Hamm

Die HSG Nordhorn-Lingen hat auch ihr zweites Saisonspiel in der 2. Handball-Bundesliga gewonnen und den Fans in der Lingener EmslandArena eine mitreißende zweite Halbzeit geboten. Vor 1.638 Zuschauern setzte sich die Mannschaft von Trainer Mark Bult am Samstagabend mit 28:20 (12:12) gegen Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen durch. Nach einer eher zähen und von technischen Fehlern geprägten ersten Hälfte drehten die Rot-Weißen nach dem Seitenwechsel auf. Mit einem beeindruckenden 8:0-Lauf hielt die HSG die Gäste sage und schreibe 17 Minuten lang ohne Torerfolg. Aus einem knappen 12:13-Rückstand machten die Hausherren eine beruhigende 20:13-Führung und brachten den zweiten Sieg im zweiten Spiel am Ende souverän über die Ziellinie. Der Nachbericht wird präsentiert von der Bentheimer Eisenbahn.

Die Vorzeichen für die Heimpremiere der Spielzeit 2026/27 standen im Zeichen des Wiedersehens. Während die HSG mit dem identischen Kader wie beim erfolgreichen Auftakt in Essen antrat, kehrte Lucas Firnhaber erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurück. Bei den Gästen gehörten zudem Ex-HSG-Torwart Ivan Budalic und Kapitän Fabian Huesmann wieder zum Aufgebot.

HSG-Coach Mark Bult schickte zum Start Ligarzewski im Tor sowie Marschall, Duvancic, Erlingsson, Lux, Ruddat und Hüter im rechten Rückraum ins Rennen. Bei Ballbesitz der Gäste kam zunächst Wilhelm defensiv für Lux. Die Gäste aus Westfalen setzten in der Anfangsphase auf das Mittel des siebten Feldspielers. Mit Bornemann und Firnhaber standen beide Rückraumlinken gemeinsam auf dem Feld, wobei Firnhaber anfangs die Spielsteuerung auf Rückraum Mitte übernahm.

Der Auftakt verlief ganz nach dem Geschmack des Heimpublikums. Ligarzewski führte sich direkt mit einer Parade ein, Kapitän Marschall markierte den ersten Treffer des Abends und schnell schraubte die HSG das Ergebnis auf 3:0. Doch der Aufsteiger ließ sich nicht frühzeitig abschütteln. Hamm verkürzte, ehe Erlingsson ins leere Tor zum 6:4 traf und Lux von der Siebenmeterlinie zum 7:5 nachlegte. Allerdings fanden nun auch die Westfalen besser in die Partie. Ihr Torhüter Marcos Colodeti zeigte einige starke Paraden, während sich im Aufbauspiel der Hausherren Abspielfehler einschlichen.

Firnhaber drückte dieser Phase seinen Stempel auf. Mit seinem dritten Treffer glich der Ex-HSG-Spieler zum 7:7 aus (13.). Das hohe Anfangstempo flachte ab, beide Teams leisteten sich in den Positionsangriffen Ballverluste. Als Marschall eine Pause auf der Bank erhielt, geriet der Spielfluss der Bult-Schützlinge weiter ins Stocken. Firnhaber nutzte die Lücken und stellte das Resultat, nachdem sein Team erstmals in Führung gegangen war, auf 9:11 (22.).

Mark Bult reagierte, brachte Hoogland für den noch glücklosen Erlingsson und wechselte auf der Torhüterposition: Tschentscher rückte zwischen die Pfosten. Über zwei schnelle Tempogegenstöße durch den aufmerksamen Ruddat glich Nordhorn-Lingen zum 11:11 aus. Hamm-Trainer Jamal Naji bat zur ersten Auszeit (25.). Bis zur Pause blieb das Spiel jedoch zerfahren. Nach einem unglücklichen Kopftreffer gegen Colodeti musste der aus Lingen stammende Johannes Thiel, der sein Premierenspiel in der EmslandArena absolvierte, auf die Strafbank. Ein gleichwohl möglicher Führungstreffer vor dem Seitenwechsel gelang nicht mehr – mit einem leistungsgerechten 12:12 ging es in die Kabinen.

Der zweite Durchgang begann direkt mit dem Führungstreffer für Hamm (12:13). Es sollte jedoch für sehr lange Zeit das letzte Erfolgserlebnis des Aufsteigers bleiben. Denn nun übernahm die HSG komplett das Kommando auf der Platte.

Getragen von einer immer konsequenter arbeitenden Defensive mit einem herausragenden Keeper Tschentscher dahinter, rührte die HSG Beton an und lieferte auch in der Offensive deutlich besser ab. Nachdem Lux per Siebenmeter gegen Budalic und Erlingsson die Partie wieder gedreht hatten (15:13, 39.), nutzten die Rot-Weißen ihre Ballgewinne eiskalt. Das Umschaltspiel funktionierte nun wie am Schnürchen. Marschall erhöhte per Doppelschlag auf 18:13. Hamm fand kein Mittel mehr gegen die bewegliche Verteidigung der Hausherren, die mit herausragender Beinarbeit überzeugte. ASV-Coach Naji wurde beim Stand von 20:13 in seiner letzten Auszeit lautstark, doch die HSG war nicht mehr aufzuhalten. Der phänomenale 8:0-Lauf hatte die Führung auf sieben Tore hochgeschraubt. Ganze 17 Minuten blieb der ASV ohne eigenen Treffer, ehe in der 47. Minute ein Siebenmeter die Torflaute der Gäste zum 20:14 beendete.

In der Schlussviertelstunde ließ die HSG nichts mehr anbrennen. Trotz der deutlichen Führung hielt das Bult-Team das Tempo hoch. Wilhelm und Erlingsson, der in der zweiten Hälfte spürbar aufdrehte, stellten das Ergebnis beim 24:15 (51.) erstmals auf neun Tore Abstand. Bult nutzte die komfortable Führung, um munter durchzuwechseln: Paul Hof und Kyan van Berlo kamen auf den Außenpositionen zum Einsatz, auch Josip Rajkovic erhielt in Unterzahl seine Einsatzzeiten.

Tschentscher schraubte seine Ausbeute mit grandiosen Paraden weiter nach oben und kam am Ende auf eine außerordentliche Quote von 53 Prozent gehaltenen Bällen (9 gehaltene Würfe). Hoogland sorgte kurz darauf für die erste Zehn-Tore-Führung (27:17), ehe van Berlo seinen ersten Treffer zum 28:17 nachlegte. Am Ende betrieb Hamm noch etwas Ergebniskosmetik, wobei Firnhaber den Schlusspunkt zum 28:20-Endstand setzte. Erfolgreichste Werfer auf Seiten der HSG waren Marschall und Erlingsson mit jeweils sechs Treffern. Für Hamm traf Firnhaber ebenfalls sechsmal.

Unter den 1.638 Zuschauern – darunter auch der frühere HSG-Kapitän Björn Zintel – herrschte nach dem Schlusspfiff gelöste Stimmung. Viele Fans feierten den Heimerfolg in T-Shirts mit dem im Fanlager geborenen Slogan „Herz aus Harz“.

Auf der anschließenden Pressekonferenz zog HSG-Trainer Mark Bult eine zufriedenstellende Bilanz: Ein großer Dank ging zunächst an die Sponsoren und die Verantwortlichen der Geschäftsstelle für die enorme Arbeit in den letzten Wochen und Monaten. Zum Spielverlauf analysierte Bult ehrlich: „In der ersten Halbzeit sind wir nicht richtig ins Laufen gekommen und haben falsche Entscheidungen getroffen. In der zweiten Halbzeit war ich mit der Einstellung, der Präsenz und der Körpersprache sehr zufrieden. So wollen wir uns immer zeigen!“ Ein Sonderlob verteilte der Coach an seinen Kapitän Tarek Marschall, der sportlich und menschlich eine tolle Entwicklung genommen habe.

ASV-Trainer Jamal Naji zeigte sich als fairer Verlierer, sparte aber auch nicht mit Kritik am eigenen Team: Mit der Abwehr sei er in Summe zufrieden gewesen, entscheidend sei jedoch die unglaubliche Fülle an 21 technischen Fehler gewesen, die meist gar nicht mal vom Gegner erzwungen wurden. Er gratulierte der HSG und Mark Bult fair zum verdienten Sieg, zeigte sich über die Höhe der Niederlage aber spürbar verärgert.

Weiter geht es für die HSG am kommenden Samstag, den 12. September, um 18 Uhr in Hüttenberg. Die Mittelhessen gewannen am vergangenen Wochenende deutlich gegen Großwallstadt. Linkshänder Kuntscher steuerte zum 42:34 respektable 16 Tore bei. Seine Partie des 2. Spieltags trägt der TVH erst am Mittwochabend in Potsdam aus. In den letzten Aufeinandertreffen mit der HSG hatte Hüttenberg zuletzt übrigens meistens das Nachsehen: Nordhorn-Lingen hat von den letzten zehn Partien gegen den TVH nur eine verloren.

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