27.03.2026
Furioses 32:31 gegen Dresden: Handballfest im Euregium
Angeführt von Tarek Marschall und Oskar Gentzel hat die HSG Nordhorn-Lingen am Freitagabend gegen den Tabellendritten HC Elbflorenz mit 32:31 gewonnen. Die begeisterten Zuschauer in der Halle, die ihre Mannschaft sechzig Minuten lang frenetisch angefeuert hatten, feierten anschließend den Erfolg, den viele nach zuletzt drei Niederlagen gegen Spitzenteams kaum für möglich gehalten hätten. Während die HSG damit ihren sechsten Platz festigt, muss der Gast aus Dresden einen Dämpfer im Aufstiegsrennen hinnehmen.
Und damit rein in die Chronologie der Begegnung: Zwar standen bei der HSG Ian Hüter, Elmar Erlingsson und Björn Zintel wieder im Aufgebot. Längere Einsatzzeiten waren jedoch nicht zu erwarten – und tatsächlich blieb es auch bei einem Kurzeinsatz für Hüter. Die Anfangsformation bildeten van der Merwe, Wilhelm, Lux und Ruddat sowie im Rückraum Gentzel, Marschall und Bandlow. Sokolic kam defensiv zunächst für Marschall. Bei den aussichtsreich um den erstmaligen Aufstieg kämpfenden Gästen fehlten die verletzten Stavast und Löser. Dafür war der kürzlich mit Zweitspielrecht von den Füchsen gekommene Pichiri dabei.
Das Spiel begann rasant. Nachdem Gentzel den Ball im ersten Angriff noch verloren hatte, sorgte er für die ersten beiden HSG-Tore. Beim 3:2 führten die Rot-Weißen erstmalig und unser Schwede setzte sogar noch einen drauf. Als es 7:4 stand, hatte Dresden erst zwei Feldtore erzielt, gerade die Performance von Abwehr und Torwart der Gastgeber stimmte in dieser Phase (11.). Die HSG trotzte den personellen Widrigkeiten ohne etatmäßigen Mittelmann und das Publikum dankte mit lautstarker Anfeuerung.
Schlag auf Schlag ging es weiter. Auch beim 12:9 hatte der 3-Tore-Vorsprung noch Bestand (20.). Dann erhielt Sokolic schon seine zweite Zeitstrafe, was einen klaren Vorteil für die Gäste bedeutete. Dierberg machte seinem Ruf als wohl sicherster Siebenmeter-Schütze der Liga alle Ehre, und es waren zudem die Dresdner Kreisläufer, die zu Torerfolgen kamen, während die HSG-Defensive den starken Rückraum noch einigermaßen im Griff hatte. Tschentscher stand nun im Tor, doch der Tabellendritte rückte heran. Als es 14:13 hieß, bat Trainer Bult zur Auszeit (25.).
Elbflorenz empfing den nächsten Angriff mit einer ganz offensiven Deckung, kam zum Ballgewinn und Ausgleich. Die HSG musste sich ihre Treffer zunehmend hart erarbeiten, das Tempospiel der Gäste lief dagegen nun flüssiger. Und dann kam es ganz dick für Nordhorn-Lingen: Cantegrel parierte seinen sechsten Wurf, Topscorer Greß sorgte für das 15:16 und Sokolic bekam von den erstligaerfahrenen Referees, den Zwillingsbrüdern Müller aus Brandenburg, seine dritte Zeitstrafe. Und das wollte neben ihm selbst auch sein Trainer kaum wahrhaben (27.).
Doch als die HSG dann durch zwei Wilhelm-Treffer in Unterzahl wieder in Führung ging, zündete das Euregium die nächste Explosionsstufe. Bandlow mit seinem dritten erfolgreichen Strafwurf erhöhte sogar noch auf 18:16. Gerade die letzten drei Minuten machten Hoffnung auf die zweite Halbzeit, in welcher dem nun auch im Innenblock geforderten Oskar Gentzel noch mehr Verantwortung zukam. Vorn hatte der Schwede bis dahin viermal getroffen, genauso oft wie Rechtsaußen Lux (100 %). Welche Pfeile hatte Mark Bult noch im Köcher, dessen Team gegen Balingen zur Pause sogar mit drei Toren geführt hatte?
Bandlow eröffnete mit einem Treffer ins Empty-Net und erhöhte kurz darauf sogar erstmals auf +4. Dierberg antwortete mit zwei Siebenmetern, vom Kreis fiel der Anschlusstreffer – und beim 20:19 war die HSG erneut in Unterzahl. Dann parierte Tschentscher gegen den Kreisläufer und auf der Gegenseite traf Bandlow per Siebenmeter zum 23:21. Allerdings hielt auch Dierberg seine 100-Prozent-Quote vom Strich und schaffte kurz darauf nach einem Abpraller den Ausgleich. Auszeit HSG (42.) und einmal mehr Spannung pur im Euregium.
Nach der vierten Parade des zweiten Dresdner Keepers Mallwitz, der damit bei 40 % stand, ging der Gast wieder in Führung, bevor die aufopferungsvoll kämpfenden Rot-Weißen im Hexenkessel Euregium wieder nach vorn gingen. Und beim Stand von 26:25 drückte HCE-Coach Haber den roten Buzzer (47.). Als es wieder Remis hieß, zückten die Schiedsrichter abermals die rote Karte: Nach Foul an Bandlow war die Partie für Stoyke zu Ende.
In der 50. Minute kam Hüter aufs Parkett – und direkt wieder mit Zeitstrafe auf die Bank geschickt. Doch es gab keine Zeit zum Durchschnaufen, auch nicht für die 2.015 Zuschauer. Der in der ungewohnten Rückraummitte sehr gut spielende Marschall stellte auf 28:26, womit die vielzitierte Crunchtime begann – mit Torhüterparaden auf beiden Seiten. Auch Gentzel traf erneut, doch Dresden blieb dran. Als es 29:28 hieß, parierte Mallwitz erstmals einen Siebenmeter und die nun im Sieben gegen Sechs angreifenden Gäste glichen aus. Dann traf Marschall und der zunehmend auftrumpfende Tschentscher hielt abermals. HSG-Auszeit beim Stand von 30:29 – und die letzten drei Minuten gibt’s in Steno:
Mit etwas Glück trifft Marschall zum 31:29. Dierberg verwandelt seinen achten Strafwurf: 31:30. Der HSG droht wieder das Zeitspiel, Mallwitz hält. Auszeit Elbflorenz gut eine Minute vor Schluss. Tschentscher hält bravourös, die HSG ist in Ballbesitz! Marschall setzt sich gegen die offensive Abwehr durch, passt auf Ruddat – und der verwandelt den Matchball! Im Euregium fliegt das Dach von der Halle, das Dresdner 32:31 ist nur noch Ergebniskosmetik. Der Rest ist Jubel pur, so ein Handballfest hat es hier lange nicht gegeben! Nicht nur wegen ihrer jeweils sieben Tore sind Tarek Marschall und Oskar Gentzel die Matchwinner in einem dezimierten Team, das diesmal nicht nur bis zum Schluss durchgehalten, sondern begeistert hat.
In der PK gratulierte André Haber fair zum Sieg und sprach von einem hart umkämpften Spiel, in dem keine Mannschaft besser gewesen sei. Allerdings habe die HSG im Endeffekt mehr „Zug“ und „Killerinstinkt“ gehabt sowie gerade in der entscheidenden Spielphase „brutal“ von technischen Fehlern seines Teams profitiert. Mark Bult bestätigte, dass in einem solchen Spiel Kleinigkeiten entscheiden würden: „den einen technischen Fehler weniger oder ein bisschen cooler vor dem Tor sein“. Stolz war er auf sein Team, das diesmal nicht wie gegen Balingen den Sieg noch aus der Hand gab. Neben Oskar Gentzel sprach er Tarek Marschall ein Sonderlob aus, der zum ersten Mal überhaupt „ein Spiel geleitet“ habe.
Weiter geht es für unser Team mit einem Auswärtsspiel. Am Gründonnerstag, den 2. April, ist die HSG beim VfL Lübeck-Schwartau zu Gast, der im Mittelfeld der Tabelle platziert ist. Anwurf in der „Hansehölle“ ist um 19 Uhr. Wir freuen uns besonders auf die Partie, denn auch ein vom Autohaus Senger gesponserter Fanbus der Rot-Weißen wird sich auf den Weg nach Schleswig-Holstein machen, um die Mannschaft zu unterstützen. Wer noch einen der Restplätze ergattern will, melde sich bitte bei Luca Hindriks auf der Geschäftsstelle => lhindriks@hsgnordhorn-lingen.de





