Am Freitagabend steht für die HSG Nordhorn-Lingen das letzte Auswärtsspiel der Saison in der 2. HBL an. Zum 33. und damit vorletzten Spieltag reist das Team von Mark Bult zum TuSEM Essen. Anwurf im sicher wieder stimmungsvollen Sportpark „Am Hallo“ ist um 19 Uhr. Für die HSG ist es mit gut 130 Kilometern die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison.
Die HSG geht mit reichlich Selbstvertrauen in die Partie im Ruhrgebiet. Vier Siege in Folge haben das Zwei-Städte-Team inzwischen auf den fünften Tabellenplatz geführt. Theoretisch wäre in den verbleibenden beiden Saisonspielen sogar noch Rang vier möglich, im schlechtesten Fall beendet Nordhorn-Lingen die Runde auf Position sechs.
Für den TuSEM geht es dagegen um den Klassenerhalt. Die Essener liegen aktuell nur einen Punkt vor Krefeld auf dem ersten Abstiegsplatz – und die HSG trifft an den letzten beiden Spieltagen ausgerechnet auf diese beiden Teams. Damit könnte Nordhorn-Lingen im Saisonendspurt noch entscheidend in den Abstiegskampf eingreifen.
Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet, der im Herbst seinen 100. Geburtstag feiert, setzt einmal mehr auf eine extrem junge Mannschaft. Bis auf Torwart Plaue und Routinier Becker ist kein Spieler älter als 26 Jahre. An der Seitenlinie steht seit Anfang Dezember Kenji Hövels. Der 32-Jährige übernahm das Traineramt im Dezember von Daniel Haase und konnte den Punkteschnitt zwar verbessern, die Abstiegsgefahr aber bislang nicht entscheidend verringern.
Zuletzt verpasste Essen wichtige Punkte im Tabellenkeller. Nach einem klaren Heimsieg gegen Coburg unterlag der TuSEM am vergangenen Wochenende knapp mit 28:29 bei N-Lübbecke. Erfolgreichste Werfer waren Linksaußen Fin Werschkull mit acht und Rechtsaußen Felix Eißing mit sechs Treffern. Auffällig: Essen erzielt ligaweit die meisten Tore über die Außenpositionen, ist defensiv aber besonders aus dem Rückraum und am Kreis anfällig.
Zu den wichtigsten Spielern zählen Spielmacher und Topscorer Felix Mart, die wurfstarken Rückraumspieler Oskar Kostuj und Max Neuhaus sowie Kreisläufer Valentin Willner. Zudem gilt der erst 19-jährige Tom Wolf bereits als Abwehrchef. Auch Nils Homscheid hat nach langer Verletzungspause wieder zu alter Stärke zurückgefunden.
Das Hinspiel kurz vor Weihnachten gewann die HSG in der EmslandArena deutlich mit 36:28. Nach ausgeglichener erster Halbzeit setzte sich Nordhorn-Lingen nach der Pause klar durch, zwischenzeitlich schwappte sogar die La-Ola-Welle durch die Halle. Beste HSG-Werfer waren Frieder Bandlow, Maximilian Lux und Elmar Erlingsson.
Auch der direkte Vergleich spricht klar für die HSG: Seit dem gemeinsamen Bundesliga-Abstieg gab es neun Duelle – acht Siege für Nordhorn-Lingen, einmal Remis. Insgesamt ist die HSG seit 14 Spielen gegen Essen ungeschlagen. Der letzte TuSEM-Sieg datiert aus dem Jahr 2017. Damals standen sich u. a. die Brüder Lasse und Malte Seidel auf dem Feld gegenüber, Essens Trainer hieß Jaron Siewert und bester HSG-Werfer war Lutz Heiny.
Eine besondere Partie wird es zudem für Christian Wilhelm. Der 24-Jährige wechselte vor der Saison vom TuSEM nach Nordhorn-Lingen, zählt weiterhin die Essener Finn Wolfram und Felix Eißing zu seinen engen Freunden und trifft nun erstmals als HSG-Spieler im Sportpark „Am Hallo“ auf seinen ehemaligen Verein. „Ich würde Essen den Klassenerhalt gönnen“, sagt der Kreisläufer, stellt aber gleichzeitig klar: „Es ist unser Job, gegen Essen und auch gegen Krefeld alles reinzulegen – und genau das werden wir tun.“
Rückblickend sieht Wilhelm die Saison der HSG trotz einiger Schwankungen positiv. Nach den Winter-Abgängen von Max Jaeger und Mika Sajenev habe sich die Mannschaft zunächst neu einspielen müssen. „Dann kamen die verlorenen Partien gegen die drei Top-Teams und schwankende Leistungen im April, doch inzwischen sind wir wieder stabiler unterwegs“, so Wilhelm.
Auch persönlich sei die Spielzeit sehr fordernd gewesen: „Es war zwischendurch super-anstrengend, weil ich nach Mikas Abgang in Angriff und Abwehr viel Verantwortung übernehmen musste. Aber für meine Entwicklung hat mir das sicher nicht geschadet und ich nehme es rückblickend dankend an.“
Für alle Fans, die nicht vor Ort dabei sein können: Der Dyn-Livestream beginnt um 18:45 Uhr.





