3.10.
Ein Topspiel folgt aufs Nächste: Während die HSG Nordhorn-Lingen vergangenes Wochenende gegen Erstliga-Absteiger Bietigheim (27:27) und vergangenen Dienstag gegen DAIKIN Handball-Bundesligist Erlangen (35:32) gefragt war, steht nun der nächste Top-Gegner an. Die Reise führt nach Balingen, zum HBW Balingen-Weilstetten, einem Club, der zu den Top-Aufstiegsaspiranten für 25/26 zählt. Anpfiff der Partie ist um 19:30 Uhr in der MEY GENERALBAU ARENA in Balingen. Dyn überträgt die Partie im Livestream auf der Plattform.
Dass die Aufgabe keine einfache wird, weiß auch HSG-Kapitän Björn Zintel, der selbst von 2020-2022 bei den Galliern gespielt hat: “Der HBW ist eine absolute Top-Mannschaft vor allem zuhause. In der Hölle Süd ist es für jede Gastmannschaft extrem unangenehm, es fällt schwer, dort zu bestehen. Das heißt, dass wir maximal konzentriert sein und unser Maximum aufs Parkett bringen müssen. Insgesamt gehe ich davon aus, dass Kleinigkeiten das Spiel entscheiden werden.”
In der 35.000-Einwohner-Stadt zwischen Stuttgart und dem Bodensee treffen die Rot-Weißen also nicht nur auf einen sehr ambitionierten Gegner mit enormer Heimstärke, sondern es kommt auch zum Wiedersehen mit Stefan Bauer und Georg Pöhle, die bis zum Sommer sechs Monate beziehungsweise sieben Jahre lang für Nordhorn-Lingen aufgelaufen waren. Mit dem HBW haben sie sich einem Verein angeschlossen, der in den letzten zehn Jahren sechsmal erstklassig war. Nach dem jüngsten Abstieg aus der DAIKIN Handball-Bundesliga im Jahr 2024 verpassten sie den Wiederaufstieg in der vergangenen Saison als Vierter nur knapp. Danach baute der HBW nicht nur mit Georg Pöhle und Stefan Bauer personell um. Daneben stießen auch noch Spielmacher Yonatan Dayan aus Hamm sowie die Rückraumspieler Merlin Fuß aus Coburg sowie Mex Raguse von den Eulen zum Balinger Aufgebot, die allesamt zu den besten Spieler auf ihren Positionen in der 2. Handball-Bundesliga gehören.
Trainer der Mannschaft ist seit 2024 Matthias Flohr, der vor seiner zweijährigen Zeit in Dormagen bereits als Spieler und Co-Trainer auf der Schwäbischen Alb tätig war und über einen Kader verfügt, der von Qualität nur so strotzt. Ein Akteur, der zuletzt erst wieder für Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist Sascha Pfattheicher. Der Rechtsaußen ist in der letzten Saison Torschützenkönig der Liga geworden und hat an diese Leistung in dieser Saison nahtlos angeknüpft. Er führt mit 43 Toren nach fünf Spieltagen erneut die Torschützenliste der 2. HBL an und wurde jüngst zum 2. HBL-Spieler des Monats September gewählt. Er ist der Spieler, der den höchsten durchschnittlichen Handball Perfomance Index aller 2. HBL-Spieler aufweist. Ebenfalls mit zur Wahl stand Kristian van der Merwe, als der statistisch beste Torhüter im September. Kreisläufer Tobias Heinzelmann und Rückraumspieler Csaba Leimeter sind weitere feste Größen und Linksaußen Tim Ruggiero-Matthes hat wie Dayan und Raguse bereits mehr als 20 Feldtore erzielt. Dagegen hat sich der etatmäßige Keeper Benedek Nagy kürzlich verletzt und fällt zurzeit genauso aus, wie schon seit Längerem Spielmacher Elias Huber.
Während die HSG nun ihr drittes Spiel innerhalb von sieben Tagen macht, hatte der HBW unter der Woche frei. Ob man das als Vor- oder als Nachteil bewerten kann, da ist sich Björn Zintel unsicher: “Es fällt mir schwer das zu beurteilen. Ich persönlich bin immer ein Freund davon, wenn man viel spielt und im Rythmus ist und wir konnten ja trotzdem auch gut rotieren. Mark hat im Pokalspiel einigen Spieler, eine Pause gegönnt, andere haben dafür mehr Spielanteile bekommen, die zuvor weniger lange zum Zug kamen. Von daher haben wir dahingehend die Belastung gut gesteuert und fahren mit einem fitten und einsatzfähigen Kader nach Balingen.”
In Balingen haben die Gallier ihre Qualität bereits mehr als unter Beweis gestellt. Mit sechs Toren gewannen sie gegen den HC Elbflorenz 2006 und mit zehn gegen den TuS N-Lübbecke. Dagegen war das Gesicht, welches sie auswärts gezeigt haben, durchaus auch ein anderes. Am ersten Spieltag verspielte der HBW eine sechs-Tore-Halbzeitführung in Potsdam, indem ihm im zweiten Durchgang nur noch zehn Tore gelangen und auch die jüngste Niederlage in Coburg war heftig. Mit 28:37 unterlag das neue Team von Georg Pöhle dem HSC deutlich. Und trotzdem befindet sich der HBW mit 6:4 Punkten, einem Punkt weniger als die HSG, durchaus im Soll, von einem Fehlstart möchte hier keiner sprechen.
Genau das Gegenteil eines „Fehlstarts“ hat unsere ehemalige Nr. 94 Georg Pöhle auch außerhalb des Handballs in Balingen erlebt. Mit seiner Familie wohnt er in Weilstetten und fühlt sich bereits sehr wohl. Die ersten Wochen war turbolent, denn Anfang September bekamen die Pöhles erneut Zuwachs, als ihr Sohn Felix zur Welt kam. Und auf die Frage, was der größte Unterschied zum Leben in Nordhorn sei, antwortet Georg mit einem Lachen: „Die Sprache – da bleibt mir manchmal nichts anderes übrig, als nochmal nachzufragen.“ Natürlich freut er sich sehr auf die Partie am Samstag gegen die HSG und ist auch mit einigen Spielern im Kontakt. Doch auch weil er außer mit Tarek Marschall und Maximilian Lux mit den meisten nur ein Jahr lang zusammengespielt hat, möchte er die Bedeutung des Wiedersehens gar nicht so hochhängen. Die Partie der HSG gegen Erlangen hat er sich angeschaut und war durchaus beeindruckt und genau an diese Leistung möchte die HSG anknüpfen. “Ich hoffe, dass wir in Balingen da weitermachen, wo wir gegen Erlangen aufgehört haben; mit einer sehr fokussierten und vor allem sehr intensiven Spielweise”, formuliert Björn Zintel das Ziel für morgen.
Im vergangenen Jahr gabs auswärts das Unentschieden, das Rückspiel ging Ende März an die HSG. Insgesamt weist die Statistik 18 Begegnungen in den beiden höchsten Handballligen sowie im Pokal aus, von denen Nordhorn-Lingen zehn gewann und siebenmal der HBW.
Dyn überträgt das Spiel wie gewohnt im Livestream. Start ist um 19:15 Uhr.





