08.03.2026
33:37: HSG hat Balingen nur am Rand der Niederlage
„So steigt man auf“, sagte ein Zuschauer unmittelbar nach der Partie mit Blick auf die Performance des HBW Balingen-Weilstetten in Nordhorn. Die HSG führte zur Pause mit drei, fünf Minuten nach dem Wechsel sogar mit sechs Toren Vorsprung. Gut drei Minuten vor dem Ende hieß es noch unentschieden, aber am Ende stand ein 33:37 auf der Anzeigetafel. Während bei unserem Team sichtlich die Kräfte nachließen, sicherte sich der Tabellenzweite ganz im Stile eines Aufsteigers die zwei Punkte. Der Reihe nach:
Bei der HSG standen unseren beiden „2. HBL Spieler des Monats“ van der Merwe (Dezember) und Bandlow (Februar) trotz Blessuren und eingeschränktem Training im Kader, der Torwart sogar im Startaufgebot. Auf dem Spielberichtsbogen fand sich erstmals in diesem Jahr auch Ian Hüter, jedoch fehlte der an der Hand verletzte Kapitän Björn Zintel erwartungsgemäß. Der Tabellenzweite aus Balingen hatte bis auf Merlin Fuß alle Mann an Bord. Bauer stand wieder im Aufgebot und begann defensiv, Pöhle gehörte in Abwehr und Angriff zur Startformation.
Sicherlich nicht nur der Gegner war überrascht von der offensiven 3:3-Verteidigung der Rot-Weißen zu Beginn, welche die Angriffe der Gallier immer mit drei vorgezogenen Abwehrspielern in Manndeckung bremsten, bevor es in die gewohnte 6:0-Deckung ging. Der Anfang der Partie gehörte den Gastgebern: Beim Stand von 3:1 attackierte die HSG erstmals im 7:6, und zwar erstmals in dieser Saison mit Sokolic als zweitem Kreisläufer, wofür er nach der Partie ein großes Sonderlob seines Trainers erhielt. Zweifellos galt: Mark Bult und sein Team hatten sich einiges überlegt, um den personellen Problemen zu trotzen.
Balingen ließ sich nicht beirren: Beim 4:4 (9.) glich der Gast aus und befand sich zudem in doppelter Überzahl. Auf der Gegenseite kam Topscorer Bandlow erst einmal nur für die Strafwürfe von der Bank – auch sein zweiter Versuch fand den Weg ins Ziel: 6:5 (12.). Das Spiel war völlig ausgeglichen. Pfattheicher, der mit weitem Abstand erfolgreichste Siebenmeterschütze der Liga, glich vom Strich zum 8:8 aus, und wieder geriet die HSG in Unterzahl (17.).
Die HSG spielte sehr variabel und äußerst mutig, verzeichnete kaum technische Fehler und wehrte sich nach Kräften gegen den Aufstiegskandidaten. Beim Resultat von 10:10 hatte der Gast zwar die erste Chance zur Führung, doch es kam ganz anders: Als es kurz darauf 12:10 für Nordhorn-Lingen stand, flog zum ersten Mal das Dach vom Euregium. Bandlow hatte direkt nach seiner Einwechslung getroffen. Beim 13:11 betätigte HBW-Trainer Flohr den Auszeit-Buzzer (22.). Wenig später wurde Pöhle auf die Strafbank geschickt und der starke Erlingsson besorgte die erste 3-Tore-Führung.
Der besagte Pöhle verkürzte zum 17:15 für seine Farben, doch die weiter im 7:6 angreifende HSG schlug zurück: Der famose van der Merwe parierte nach Kempa-Trick und Marschall erhöhte mit seinem sechsten Treffer sogar noch um ein Tor, bevor es kurz darauf beim Stand von 19:16 in die Pause ging. Auch mit Blick auf den starken Gegner hatten die Zuschauer die bisher wohl beste HSG-Halbzeit im Jahr 2026 gesehen.
Wieder gelang der Start: Van der Merwe hielt, was auf den Kasten kam, und Marschall, Erlingsson sowie nochmals der kaum zu haltende Marschall erhöhten auf 22:16. Immer wieder zwang die konsequente rot-weiße Abwehr die Gallier um den starken Rückraumschützen Raguse und Spielmacher Huber ins Zeitspiel. Zu besprechen gab es einiges, als Trainer Flohr in der 38. Minute die nächste Auszeit nahm – es hieß 23:17.
Doch dann kippte die Partie zugunsten der Gäste, die den Schalter umlegten und zunehmend von ihrer breiten Bank profitierten, während die HSG ihren „Flow“, ihren Rhythmus verlor. Beim 24:19 erhielt der vorn wie hinten bravourös arbeitende Sokolic seine zweite, diesmal sehr umstrittene Zeitstrafe. In Überzahl kam der Gast heran und verkürzte auf 24:22, sodass Mark Bult sich zum Time-Out gezwungen sah (43.).
Als Bandlow beim Stand von 25:22 im Angriff wegrutschte und die Referees dem Gegner den Ball zusprachen, bekam der aufgebrachte HSG-Trainer die gelbe Karte. Wenig später pfiffen die Schiedsrichter auch noch ein Offensivfoul gegen Bandlow und schickten Ruddat auf die Strafbank. Das Euregium war endgültig angezündet. Dann hielt Rebmann gegen Wilhelm und auf der Gegenseite fiel der Anschlusstreffer (26:25; 46.). Gleichwohl: Das Publikum stand und gab alles, um sein Team zu unterstützen.
Tschentscher war nun ins Tor gerückt, doch er konnte den Ausgleich nicht verhindern. Dagegen lief Rebmann im HBW-Tor zu immer größerer Form auf. Und per Siebenmeter ging Balingen sogar erstmals in Führung: 27:28 (50.). Die in der Offensive zunehmend fehlerhafte HSG war ihren Vorsprung los. Nachdem Wilhelm sein Team wieder in Front geworfen hatte, erhielt er die nächste Zeitstrafe – die Crunchtime war mal wieder nichts für schwache Nerven.
Vier Minuten vor Schluss ging der Ball beim Stand von 31:32 verloren, doch der zurückgekehrte van der Merwe verhinderte das Minus-2 und Wilhelm glich wieder aus. Das mögliche 33:33 verhinderte Rebmann überragend gegen Bandlow, und in Unterzahl ging Balingen dann doch mit zwei Toren in Führung: 32:34. Als der angeschlagen ins Spiel gegangene und seit der 20. Minute durchspielende Bandlow einen Siebenmeter an den Pfosten setzte, erhöhte der Gast im Gegenzug und sorgte für die Vorentscheidung. Am Ende schraubte Balingen mit seiner „unglaublichen Qualität“ (Bult) das Ergebnis sogar noch auf 33:37 in die Höhe – so steigt man auf.
Nichtsdestotrotz spendeten die allermeisten der 2.163 Zuschauer ihrem Team für eine über weite Strecken starke Leistung den verdienten Applaus. Marschall war erfolgreichster Torschütze in Rot-Weiß (11), vor Lux (6) und Erlingsson (5). Bei Balingen traf Topscorer Pfattheicher am häufigsten (10/4). Trainer Bult sprach seiner Mannschaft anschließend ein Kompliment aus, das Team sei über seine Grenzen gegangen. Ausdrücklich bedankte er sich auch beim Publikum im Euregium.
Weiter geht es für unser Team schon am kommenden Freitag, den 13. März, um 19 Uhr in der MBS Arena Potsdam, wo die Adler des 1. VfL zu Hause sind. Der letztjährige Erstligaabsteiger hat am Samstag hauchdünn in Coburg gewonnen und ist Tabellenvierter. Vor der Länderspielpause und der nächsten HSG-Heimpartie am Freitag, den 27. März, gegen den Dritten aus Dresden im Euregium werden die Herausforderungen für unsere Mannschaft also nicht kleiner.





